Rover on tour

Logbuch


22.07.2010

foto0377Mit dem guten Wetter scheint uns auch das Glück verlassen zu haben. Bei dem Auswechseln der Einhebelschaltung zur Bedienung von Motor und Getriebe ist offenbar der Schaltzug zum Getriebe kollabiert. Die Folge ist, dass nach frohgemutem Start schon in der ersten Schleuse sich kein Gang mehr einlegen lässt und Rover an der langen Leine aus der Schleusenkammer getreidelt werden muss. Der Schaden lässt sich mit Bordmitteln nicht reparieren, aber ich bringe provisorisch zwei dünne Leinen am Getriebeschalthebel an und führe sie durch die offene Motorklappe nach oben. Damit habe ich wie ein Marionettenspieler einen gewissen Einfluss auf das Getriebe, muss aber manchmal raten, ob der Vor- oder Rückwärtsgang drin ist. Weiterfahren tun wir trotzdem nicht, da Lorenz’ Rücken eine Ruhepause braucht nach den extremen Verrenkungen in der Backskiste und so fahren Martin und ich im Regen per Fahrrad nach Commercy zurück und besorgen ABC-Pflaster. Das Abendessen gerät trotz allem oppulent.


21.07.2010

img_0945Unser 3-Mann-Team mit zwei Booten kommt ganz gut zurecht. Marysol fährt vor in die Schleusenkammer und macht fest, dann tuffelt Rover hinterher und ich schmeiße die vorbereiteten Leinen hoch, wo Lorenz sie um den Poller legt. Mit etwas Übung steigt die Gelassenheit. Der Kanal ist nach wie vor sehr schmal und flach, außerdem extrem verkrautet. Letzteres führt dazu, dass Lorenz teilweise in 10 Minuten Abständen tauchen muss, um die Schraube von Marysol von Wassersalat zu befreien. Rover hat diesbezüglich keine Probleme, nur der Seewasserfilter will abends von Grünfutter entleert werden. Wir halten in Commercy hinter dem Aldi-Markt, um eine Pause zu machen, beschließen dann aber wegen schlechter Wettervorhersage und bodenlosem Barometer (und der guten Versorgungslage), bis morgen zu bleiben. Damit keine Langeweile aufkommt, wollen wir mal eben die Einhebelschaltung von Rover tauschen, brechen dann nach mehreren Stunden etwas ernüchtert ab, um das Schiff morgen wieder fahrbereit zu machen. 99 Schleusen, 224 m über NN.


19.07.2010

foto0355Crewwechsel bei Rover und Marysol! D.h. bei Rover kein Wechsel in dem Sinne, da Cora aufgrund einer ernsten Verletzung ihrer Reisepartnerin ihre Pläne ändern muss und nun nicht kommen kann. Silke fährt mit dem Bus nach Metz und per Zug weiter nach Hause. Vorher macht sie noch Klarschiff und sichtet die Vorräte. Das bin ich nun allein auf dem Schiff! Sabine von Marysol geht für eine Woche nach Hause, dafür kommt Martin. So sind wir nun drei Männer mit zwei Booten. Damit wollen wir uns morgen in die Schleusen der Maas wagen. Wird schon irgendwie gehen… Wetter nach wie vor phantastisch. Suche nach der Leckstelle in Rover wieder mal ergebnislos. Treibstoffverbrauch erwartungsgemäß ca. 2,9 Liter/Betriebsstunde.


18.07.2010

Die Maas (bzw. der Kanal dazu) wird immer schmäler, immer flacher und ist stellenweise stark verkrautet. Fast könnte man meinen, wir hätten uns verfahren. Wenig bis kein Verkehr. Nur in den wenigen Raststätten für Flusswanderer ist alles voll Holländer. So auch in Verdun, aber wir finden ein feines Plätzchen an der verbotenen Pier für kommerzielle Schiffe. In Frankreich ist man in solchen Dingen großzügiger! Abends heftiges Heavy Metal Konzert direkt gegenüber, dass uns die Ohren wegfliegen. Zehn Schleusen heute, wir sind so eingespielt, dass wir die Zahl abends beim Zählen kaum glauben können. Gesamt nun 85 Schleusen.


17.07.2010

Die Maas ist jetzt schon so schmal, dass sie meistenteils durch einen Kanal ergänzt worden ist. Unaufgeregte stille Landschaft, die Zeit lässt für Kaffee und Schokolade. Wir halten Kontakt zu Marysol per Handy, in das wir französische SIM-Cards eingebaut haben. Kaum Franzosen unterwegs, fast nur Holländer, die beidseitig beeindruckende Fendersammlungen präsentieren. Mehrere Briten treffen wir, sogar einen Australier und einen Kanadier. Flusswanderer. 75 Schleusen, 750 km seit Varel.