Rover on tour

Logbuch


aus dem Winterschlaf gerissen

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Winterpause

Nach einer recht mageren Saison wurde Rover für den Winter vorbereitet: Segel abgeschlagen, Leinen teilweise weg, Flaggen eingeholt, Motor mit Frostschutz gefüllt, Kuchenbude und Plane drüber geriggt, Bodenluken geöffnet, Polster hochgestellt, Elektronik soweit möglich von Bord usw. Wegen Reparaturarbeiten an der Schleuse ist das Hafenbecken halbleer, sodass die verbleibenden Boote alle auf Schiet sitzen. Auch an bord sollen – weather permitting – die Arbeiten fortgesetzt werden: geplant ist die Einrichtung eines Diesel-Tagestankes mit Reinigungskreislauf, Neuabdichtung des Ruderhydraulikzylinders, Rostarbeiten in der hinteren Backskiste sowie die eine oder andere Verbesserung an der Elektrik. On verra bien.

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Pelz abschälen

Nach der langen Wasserliegezeit ist der Rumpf offenbar so bewachsen, dass die erzielbare Geschwindigkeit erheblich zurückgegangen ist. Nachdem es letztes Mal mit dem gezielten Trockenfallen nicht so recht geklappt hatte, erfolgte gestern ein neuer Versuch.

Auf der Höhe von Tossens gegenüber dem Jade-Weser-Port finde ich ein ebenes Plätzchen, nach dem Ankern mit einer Messlatte auf beiden Seiten sorgfältig geprüft. Eine Stunde nach dem Aufsitzen kann ich ins Wasser und bin entsetzt über das Ausmaß des Bewuchses: ein zwei Finger dicker Pelz bedeckt den gesamten Rumpf und das Ruderblatt.

Mit einem stabilen Kunststoff-Küchenschaber lässt sich mit einigem Kraftaufwand der Pelz abschälen, wie man Schafe schert. Beim Scheren drehe ich mehrere Runden um den Rumpf und folge dabei dem sinkendem Wasser. Schließlich robbe ich auf Händen und Knien durch das Watt, um die letzten Zentimeter unter Wasser zu erreichen. Mit wieder steigendem Wasser erhole ich mich im Cockpit und lasse mir die Sonne auf meinen Pelz scheinen. Gut zwei Stunden nach Niedrigwasser kommen wir wieder frei und motoren buchstäblich erleichtert nach Varel zurück.


Missgeschick

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Dabei fing alles so gut an. Kleiner Ausflug mit Rover und Übernachtung im Watt hinter dem Leuchtturm Arngast. Vielleicht sogar trockenfallen und den Rumpf freikratzen. So ein Schiff will ja auch bewegt werden. Den Priel hinter Arngast mit der Lücke im Leitdamm hatte ich früher schon mal besucht und auch diesmal gut gefunden. Bei der „grünen“ Steuerbordpricke (mit Besen nach oben) hinter der Durchfahrt durch den überfluteten Damm war leider der Besen abgefallen und nur 2 dürre Ästchen zeigten nach oben. Damit war sie zur „roten“ Pricke geworden und leitete mich stracks auf den Damm. Naja, Stahlschiff, nix passiert. Dann Durchfahrt gefunden und von der blöden Pricke immer noch so irritiert, dass ich hinter ihr an der Böschung des Priels festkam. Bei stark ablaufendem Wasser. Trotz Maschine vor und zurück und schaukeln und schimpfen, fest ist fest. Steuerbord lotete ich ca. 1 m Wassertiefe, backbord war kein Grund zu finden. Da wusste ich, es gibt Ärger.

 

Als letzte Rettung nahm ich ein Fall vom Masttop, band 50 m Ankertrosse daran und schäkelte den Zweitanker (16 kg) dran und pflanzte ihn soweit vom Schiff weg wie möglich in den Schlick. Mit weiter ablaufendem Wasser und zunehmender Krängung fing der Anker an zu kriechen. Also stellte ich mich drauf, dann schien er nicht weiter zu rutschen.

 

Irgendwann wurde mir klar, dass ich mindestens vier Stunden und bis weit nach Mitternacht auf dem Anker stehen bleiben musste, wollte ich sein Kriechen verhindern. Dazu war ich dann doch nicht bereit und zog mich kapitulierend zurück. Der Anker rutschte bestimmt über 2 Meter, das Schiff neigte sich entsprechend und mir wurde schlecht vom Hingucken. Ein Komplettumfall schien unvermeidlich. Mir war aber hauptsächlich kalt. Aufs Schiff traute ich mich aber auch nicht mehr, um nicht das Fass ins Rollen zu bringen oder so ähnlich. Also lief ich auf der Sandbank kilometerweise hin und her, um mich zu wärmen und die Zeit totzuschlagen. Die 12 Robben äugten schon die ganze Zeit misstrauisch herüber. Dann ging die Sonne unter und es wurde ernsthaft dunkel.

 

Schließlich kam der Kapitulation zweiter Teil und bevor ich nichts mehr erkennen konnte, turnte ich im Zeitlupentempo und mit meinen Schlickfüßen immer wieder abrutschend aufs Schiff, als ob es Nitroglyzerin geladen hätte. Das Schiff knarrte, das Watt gluckerte und schmatzte und ich klapperte mit den Zähnen. Oben auf der hohen Kante blieb ich erstmal eine Stunde sitzen. Nichts passierte. Dann rutschte ich laaangsam ins Cockpit und konnte mir endlich ein paar wärmende Klamotten anziehen. Eine weitere Stunde später traute ich mich in die Kajüte und konnte eine Tafel Schokolade futtern. Und – was soll ich sagen – das Wasser kam irgendwann doch wieder, das Schiff war nicht umgekippt, sondern fing an, sich wieder aufzurichten. Jetzt musste ich schnell noch mal raus und den Hilfsanker bergen, mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen. Das Wasser stieg jetzt enorm schnell und bald fing Rover an sich mit der Strömung zu drehen. Motor an und in Richtung der drei rot blinkenden Windräder in die Nacht motort, dann den Bug gegen die Strömung gerichtet und Anker mit 20 m Kette raus. Der Anker fasste sofort und die recht starke Strömung durch die Lücke im Leitdamm gurgelte links und rechts vorbei. Als gegen vier Uhr nachts die Tide kenterte, musste ich nochmal den Anker neu einfahren, da er die Drehung um 180 Grad nicht verstanden hatte. Am nächsten Morgen im Priel, alles ganz friedlich: