Rover on tour

Logbuch


Compiegne

Wir kommen nun stramm nach Norden. Wir sind nun in dem Flüsschen Oise, das doch überraschend viel von Berufsschifffahrt genutzt wird. Vorbei an Cergy (wo ich in einem früheren Leben 2,5 Jahre wohnen durfte) und Auvers (wo sich van Gogh das Leben nahm, nachdem er in seinen letzten 60 Tagen hier 60 Bilder gemalt hatte) sind wir heute in Compiegne angekommen (wo in einem Eisenbahnwagon der Waffenstillstand 1918 unterzeichnet wurde UND später die Kapitulation Frankreichs 1940). Ach ja, und Jeanne d’Arc hat hier am Tag vor ihrer Hinrichtung das letzte Mal die heilige Kommunion erhalten. Was sagt man dazu.


Rueil-sur-Seine

vorbei an der Ile de la Cité

vorbei an der Ile de la Cité

Auf der Weiterfahrt mitten durch das Herz von Paris überfuhren wir kurz vor Notre Dame eine rote Ampel. Mit dem Boot. Nur um 10 Sekunden. Aber da die Grünphase 15 Minuten und die Rotphase 45 Minuten dauern, nahmen wir diese Regelverletzung in Anbetracht der Umstände billigend in Kauf. Nicht so die Hüter dieser Regeln: 2 Minuten später hatten wir (wieder mal) Waffenträger mit Springerstiefeln an Bord. Mit schäumender Bugwelle und Blaulicht wurden wir gestellt. Sehr freundlich wurden wir über die Bedeutung roter Ampeln aufgeklärt. Da ich plötzlich kein Französisch mehr konnte und Margrit auf „…haben wir gar nicht gesehen, tut uns leid …“ machte, zeigte man sich überlegen und großzügig und ließ uns unseres Weges ziehen. Der hohe Adrenalinspiegel versaute einem ein bisschen die ganze Parisdurchquerung, aber eindrucksvoll war’s trotzdem. Kurz hinter dem Eiffelturm hört das touristisch erschlossene Paris auch schon wieder auf. Da die Seine mehrere Riesenschleifen durch die Stadt zieht, sind wir heute abend trotz 45 km Fahrt immer noch nicht richtig raus. Aber die Ufer werden wieder grüner und die Bebauung kleiner. Rückblickend betrachtet war Paris wie ein Rausch, voller Lärm, Autos, schöner Menschen, gewaltiger Architektur und Millionen Fotomotiven. Der Mittelabfluss aus dem Reisebudget erfolgte ungebremst. Für eine derartige Überdosis halten wir fünf Tage und sechs Nächte für ausreichend.

Noch einige alternative Wohnformen:


Paris (2), (3) und (4)

Das mit dem Regen hat sich erledigt. Paris ist wieder comme il faut. Das heißt phantastisch, chaotisch, inspirierend, überwältigend, anstrengend, überraschend. Jeder Quadratmeter ist einfach Kult. Vielleicht bin ich da auch nicht ganz objektiv. Überraschend ist auf jeden Fall der Wandel zur Fahrradstadt! Nicht nur sind überall breite Fahrradwege und –spuren eingerichtet, auch hat die Stadt Tausende von öffentlichen Fahrrädern an Mietstationen deponiert, die offensichtlich extrem gut ankommen (die ersten 30 Minuten sind gratis!). Zusammen mit den Elektroautos auf Car-Sharing-Basis scheint die Stadt ihren Verkehr in den Griff zu kriegen. Wir lassen uns durch die Stadt treiben – per Fahrrad, Metro, zu Fuß und per Ausflugsboot. Paris ist unmenschlich voll mit Menschen. Natürlich kaum Franzosen. Eiffelturm, Louvre und Notre Dame sind nur nach stundenlangem Schlangestehen zu besichtigen. Aber es gibt soviel anderes!


Paris (1)

Paris. Toll. Dauerregen. Nicht gut. Unser schlechtestes Wetter seit Start. Alles nass, alles tropft. Wir flüchten in Kirchen, da unsere Wunschmuseen des ersten Tages (Picasso und Centre Pompidou) passenderweise beide geschlossen haben. Der Liegeplatz ist super, MITTEN IN DER STADT, in Sichtweite von Notre Dame und Louvre, direkt am Place de la Bastille. Nicht gerade billig, aber weniger als die Mafiapreise in Sizilien. Und das Wetter wird bestimmt besser. Oder?


Port aux Cerises

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offizielles Geburtstagsfoto

20 Kilometer vor Paris. Morgens Nieselregen, nachmittags brennt die Sonne so, dass die verbleibenden Hirnreste Blasen werfen. Die Nähe zur Großstadt zeigt sich zuerst durch prächtige Villen am Ufer, die Märchenbüchern entsprungen zu sein scheinen: voller Türmchen mit Spitzdächern, überall noch ein Giebelchen und Erkerchen, meist in Fachwerkbauweise. Da verstummt jeder Neid. Heute am Pfingstsonntag ähnelt die Seine mehr einer Badeanstalt voller Kühlungssuchender denn einer Binnenwasserstraße (trotz gelegentlicher Großschifffahrt). Verdörrt erreichen wir den Port aux Cerises, den Kirschenhafen, und lassen ein paar Liter Wasser auf dem Körper verdampfen.

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