Rover on tour

Logbuch


Flucht nach Monemvasia

Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Nach einem Notkaffee starten wir um 5:30 Uhr bei der ersten Dämmerung die Maschine, werfen die Leinen los und motoren sanft durch den Hafen Richtung Lagunenausgang. Erster Eindruck: das Dampferlicht am Mast geht nicht. Muss ohne gehen – es wird eh gleich hell. Die Stimmung bei Sonnenaufgang, während wir die bizarren Felsformationen passieren, ist super eindrucksvoll. Sollten wir öfter machen! Dann bringen wir Rover auf Kurs Richtung Westen, nach Monemvasia, und die Maschine auf Marschdrehzahl (1500 U/min). Wind ist totale Fehlanzeige. Das entspricht auch dem Wetterbericht, der später mäßige Südwinde prognostiziert und ab dem frühen nächsten Morgen das Einsetzen des Sturms. Das sollte gut zu schaffen sein. Für die 67 Meilen rechnen wir mit 12 bis 13 Stunden. Da das Wetter den Wetterbericht aber vielleicht nicht kennt, gehen wir kein Risiko ein und maximieren sozusagen unsere Geschwindigkeit: sprich, die Maschine läuft immer mit, auch als der Südwind später tatsächlich einsetzt. Gegen Mittag – am Point of no Return – machen wir den Fehler und schalten den UKW-Seefunk auf Kanal 16 ein. Kurze Zeit darauf hören wir die erste Warnmeldung: „Securité, Securité, Securité – to all ships, to all ships, to all ships: gale warning force eight, locally nine“. Dann folgt ein sehr ausführlicher Seewetterbericht – leider auf Griechisch – gefolgt von einer Ausgabe, die wir mühsam als Englisch identifzieren. Leider verstehen wir weder Orte noch Zeiten. Die Tatsache, dass die Sturmwarnung alle Stunde wiederholt wird, hilft leider auch nicht. Jetzt fühlen wir uns trotz gutem Wetter, als ob uns der Teufel im Nacken sitzt. Die Stunden ziehen sich dahin, der Wind wird mal stärker, mal schwächer. Die Kreuze auf der Überseglerkarte zeigen nur ein mühsames Vorwärtskommen. Wieviel Segel können wir unserem geflicktem Unterwant zumuten? Aber natürlich geht wieder mal alles gut und gegen 17 Uhr nähern wir uns dem Zielhafen Monemvasia. Alle offensichtlichen Liegeplätze sind schon belegt. Alle suchen Schutz. Aber wir erinnern uns an die Aussage von der NIMROD, dass der als verboten markierte Platz für den Rettungskreuzer genutzt werden kann, da das Life boat sich einen besseren Platz mit Stromanschluss gesucht hat. Vorsichtig gehen wir längsseits und werden von der Port Police kommentarlos geduldet. Geschafft!


Santorini nach Milos

Am frühen Morgen gleiten wir durch die riesige Caldera von Santorini. Das Wasser ist ölig und spiegelglatt. Die spektakulären Schwalbennestdörfer verschwimmen ein bisschen im Dunst, dennoch fühlen wir uns privilegiert, dies mit dem eigenen Schiff erleben zu dürfen. Die vermutlich mehrere Tausend zählenden (und zahlenden) Gäste der gewaltigen Kreuzfahrer, die hier ankern, finden es bestimmt auch toll. Am Nordausgang der Lagune setzen wir den Kurs ab auf Milos, vorbei an der Insel Folegandros. Eine ganz schöne Entfernung, aber wir wollen die Gunst der Stunde nutzen, da der normalerweise vorherrschende Nordwind eine Pause macht. Halb segelnd, halb motorend erreichen wir abends eine kleine Ankerbucht vor Pollonia, nordöstlich von Milos. Das schöne alte Viermastkreuzfahrtschiff „Sea Cloud“ ist auch schon da. Die Bucht ist traumhaft – unsere Träume nachts werden dagegen empfindlich gestört, weil ein alter Schwell um die Ecke steht und das Schiff heftig rollt. Allerdings haben wir ENDLICH mal wieder Gelegenheit, vor dem Frühstück ums Schiff zu schwimmen (19 Grad machen wach). Mittags motoren wir in die Lagune der Vulkaninsel Milos und machen an einem überraschend modernen Steg mit Mooringleinen fest. Alles bestens. Unsere netten englischen Nachbarn von der NIMROD kommen gerade von Westen unten um den Peloponnes herum und wir dürfen viele Empfehlungskreuzchen in unsere Seekarte malen. Gerne würden wir länger bleiben, aber am Horizont droht Ungemach: ein dickes Tief über Tunesien zieht nordostwärts und die ganze Ägäis in Mitleidenschaft. Die Wetterkarten sehen grauenhaft aus. Übermorgen soll’s losgehen mit dem Wind. Wir machen uns die Entscheidung richtig schwer, ob wir die ganze Geschichte hier abwettern sollen oder morgen noch schnell ans Festland huschen. Den Ausschlag geben schließlich die Tatsache, dass wir den Platz hier bei den angekündigten Südwestwinden für unsicher halten sowie die beiden deutschen Charterschiffe mit den acht lebhaften Kinderchen in der Nachbarschaft: Morgen wagen wir den Ausbruch!


Bildernachtrag

Hier in Milos scheint es eine gute Netzanbindung zu geben, die Möglichkeiten der Bildübermittlung oder -bearbeitung sind aber sehr eingeschränkt. Dennoch hier ein paar Eindrücke von Santorini:


Thira und Oia

 

Das gebrochene Unterwant wurde geflickt mit einem Transplantat eines früheren Mittelwants und mit sieben Seilklemmen fest verbunden. Ein neues Teil müssen wir uns anfertigen und schicken lassen – das wird bestimmt wieder ein Abenteuer für sich. Nach der Reparatur schwingen wir uns in den koreanischen Mietwagen und hoppeln in die Hauptstadt Thira. Thira liegt ganz oben an der Kante eines riesigen Vulkankraters und hat einen atemberaubenden Blick auf die „Caldera“, den Kratersee. Das Ausmaß an Tourismus hier ist absolut grenzwertig. Dennoch ist die Gesamtlage so eindrucksvoll, dass wir uns Schulter an Schulter mit den Amerikanern und Japanern aus den Düsenflugzeugen und den Riesenkreuzfahrtschiffen durch die engen Gassen schieben. Zusammen mit den Lastmaultieren laufen wir die Serpentinentreppe runter in den alten Hafenort am Wasser und wählen für den Rückweg – gestärkt mit Chicken Souvlaki – die Seilbahn. Ganz im Norden der Insel liegt der Ort Oia, vor 50 Jahren durch ein Erdbeben zerstört und phantastisch wiederaufgebaut. Dadurch ist er noch einladender aus touristischer Sicht, hier machen auch wohl nicht gerade die ärmsten der armen Griechen Urlaub. Abends zurück auf dem Boot sind wir rechtschaffen zerschlagen und freuen uns auf die morgige Fahrt mit dem eigenen Kreuzfahrtschiff durch die Caldera.

Hinweis: Internetverbindung ist lausig, Bilder folgen, sobald möglich.


Santorini

Nachdem der Wind zum Morgen hin deutlich abgeflaut hat, wagen wir uns auf den Sprung nach Santorini. Durch den starken Wind steht natürlich noch eine starke alte Dünung und wir werden ordentlich durchgeschleudert. Zu allem Überfluss macht es nach zwei Stunden „Tock“ im Rigg und ein gebrochenes Unterwant fällt aufs Deck. Schöner Schreck! Sofort Druck aus den Segeln und reffen. Als Notbehelf riggen wir das bewegliche Backstag. Trotzdem fahren wir stark gerefft und unter Maschine weiter. Schade, denn der Wind steht günstig und es hätte ein Supersegeln sein können! Dennoch sind wir froh, ohne weitere Zwischenfälle in Santorini anzukommen und in dem Fischereihafen Vlichada im Süden unterzukommen.