Wir verlassen Zupften bei bestem Wetter (wir sagen “Zupften, da Zutphen ja wohl keiner enrnsthaft aussprechen kann). Die IJssel ist ein schöner Strom, der sich durch eine intakte Flusslandschaft schlängelt und immer mehr strömt, je weiter wir kommen. Schließlich werden wir auf 3 bis 3,5 kn abgebremst. Eine harte Probe für unsere emotionale Entschleunigung. Der Verkehr nimmt zu, der Strom wird schmäler, die Binnenschiffe länger. Als uns ein besonders Dicker unter einer Brücke überholt, läuft Rover in den Wirbeln aus dem Ruder und wir rumpeln mit Marschfahrt in die Steinböschung. Aus. Die Mannschaft steht unter Schock. Mit aufgeholtem Schwert kommt das Schiff wieder frei, wird aber in denTurbulenzen des vorbeiziehenden Frachters wie ein Kreisel um die eigene Achse gedreht. Danach kehrt Ruhe ein. Kein Wasser im Schiff, d.h. nicht mehr als sonst, Schwertmechanik und Ruder OK. Offenbar sind wir mit ein paar Beulen davon gekommen. Noch unter Rest-Adrenalin parken wir in Arnhem zwischen zwei dicken Motorbooten ein und verpassen dem einen im Eifer des Gefechtes einen schmalen Kratzer auf der hochglanzpolierten Scheuerleiste. Leider ist das Schiff erst fünf Tage alt, war bestimmt sehr teuer und der Eigner ist “not amused”. Als wir später den “Schaden” für die Versicherung fotografieren wollen, finden wir ihn nicht wieder.
Monatsarchiv: Juli 2010
03.07.2010
Nach der Drenthschen Hoofdvaart, dem Meppeler Diep und dem Zwarten Water biegen wir heute ab nach Süden in die IJssel. Deutlicher Gegenstrom, der uns bremst und erhöhtes Motorbrummen erfordert. Holland erholt sich von den Feiern des 2:1 gegen Brasilien. Wir haben in Zwolle noch 300 Liter Wasser gebunkert, das zieht uns hinten ganz schön runter. Der Autopilot ist im Einsatz. Er eiert aber genauso wie wir. Nachdem wir gelernt haben, die Antimücken-Utensilien sinnreich einzusetzen, kommen wir nachts auch wieder zum Schlafen. Heute die zwanzigste Schleuse passiert seit Varel – wir sind schon ganz schön cool. Stimmung stimmt, Verpflegung auch.
Muss an Hannes Wader denken:
- Ich bin unterwegs nach Süden und will weiter bis ans Meer,
- will mich auf heiße Kiesel legen und dann brennt die Sonne mir
- die Narben aus dem Nacken, jeden Kratzer, jeden Fleck,
- dass von den tausend Händen, die mich das ganze Jahr
- befingert und geschlagen haben, keine Spur mehr übrig bleibt.
- Und wenn der Wind mir fetzenweie meine alte tote Haut
- vom Rücken weht, als weiße Asche steh ich auf
- und bin gesund.
Als wir in Zutphen ankommen, regnet es allerdings.
02.07.2010
Wenn der Passantenhaven von Zwolle schon kein WiFi (WLAN) hat, bei McDonalds ist das kein Problem… Heute ruhige Kanalfahrt in dem breiten Zwarten Water von Meppel nach Zwolle. In Zwolle kocht die Volksseele: Holland-Brasilien läuft! Und wir haben vom Schiff freien Blick auf die public viewing Leinwand. Auch ohne Fußball strömt der Schweiß, da hilft nur Eis. Und: Marysol ist unterwegs! Heute von WHV Richtung Emden.