Rover on tour

Logbuch


Santorini nach Milos

Am frühen Morgen gleiten wir durch die riesige Caldera von Santorini. Das Wasser ist ölig und spiegelglatt. Die spektakulären Schwalbennestdörfer verschwimmen ein bisschen im Dunst, dennoch fühlen wir uns privilegiert, dies mit dem eigenen Schiff erleben zu dürfen. Die vermutlich mehrere Tausend zählenden (und zahlenden) Gäste der gewaltigen Kreuzfahrer, die hier ankern, finden es bestimmt auch toll. Am Nordausgang der Lagune setzen wir den Kurs ab auf Milos, vorbei an der Insel Folegandros. Eine ganz schöne Entfernung, aber wir wollen die Gunst der Stunde nutzen, da der normalerweise vorherrschende Nordwind eine Pause macht. Halb segelnd, halb motorend erreichen wir abends eine kleine Ankerbucht vor Pollonia, nordöstlich von Milos. Das schöne alte Viermastkreuzfahrtschiff „Sea Cloud“ ist auch schon da. Die Bucht ist traumhaft – unsere Träume nachts werden dagegen empfindlich gestört, weil ein alter Schwell um die Ecke steht und das Schiff heftig rollt. Allerdings haben wir ENDLICH mal wieder Gelegenheit, vor dem Frühstück ums Schiff zu schwimmen (19 Grad machen wach). Mittags motoren wir in die Lagune der Vulkaninsel Milos und machen an einem überraschend modernen Steg mit Mooringleinen fest. Alles bestens. Unsere netten englischen Nachbarn von der NIMROD kommen gerade von Westen unten um den Peloponnes herum und wir dürfen viele Empfehlungskreuzchen in unsere Seekarte malen. Gerne würden wir länger bleiben, aber am Horizont droht Ungemach: ein dickes Tief über Tunesien zieht nordostwärts und die ganze Ägäis in Mitleidenschaft. Die Wetterkarten sehen grauenhaft aus. Übermorgen soll’s losgehen mit dem Wind. Wir machen uns die Entscheidung richtig schwer, ob wir die ganze Geschichte hier abwettern sollen oder morgen noch schnell ans Festland huschen. Den Ausschlag geben schließlich die Tatsache, dass wir den Platz hier bei den angekündigten Südwestwinden für unsicher halten sowie die beiden deutschen Charterschiffe mit den acht lebhaften Kinderchen in der Nachbarschaft: Morgen wagen wir den Ausbruch!


Bildernachtrag

Hier in Milos scheint es eine gute Netzanbindung zu geben, die Möglichkeiten der Bildübermittlung oder -bearbeitung sind aber sehr eingeschränkt. Dennoch hier ein paar Eindrücke von Santorini:


Thira und Oia

 

Das gebrochene Unterwant wurde geflickt mit einem Transplantat eines früheren Mittelwants und mit sieben Seilklemmen fest verbunden. Ein neues Teil müssen wir uns anfertigen und schicken lassen – das wird bestimmt wieder ein Abenteuer für sich. Nach der Reparatur schwingen wir uns in den koreanischen Mietwagen und hoppeln in die Hauptstadt Thira. Thira liegt ganz oben an der Kante eines riesigen Vulkankraters und hat einen atemberaubenden Blick auf die „Caldera“, den Kratersee. Das Ausmaß an Tourismus hier ist absolut grenzwertig. Dennoch ist die Gesamtlage so eindrucksvoll, dass wir uns Schulter an Schulter mit den Amerikanern und Japanern aus den Düsenflugzeugen und den Riesenkreuzfahrtschiffen durch die engen Gassen schieben. Zusammen mit den Lastmaultieren laufen wir die Serpentinentreppe runter in den alten Hafenort am Wasser und wählen für den Rückweg – gestärkt mit Chicken Souvlaki – die Seilbahn. Ganz im Norden der Insel liegt der Ort Oia, vor 50 Jahren durch ein Erdbeben zerstört und phantastisch wiederaufgebaut. Dadurch ist er noch einladender aus touristischer Sicht, hier machen auch wohl nicht gerade die ärmsten der armen Griechen Urlaub. Abends zurück auf dem Boot sind wir rechtschaffen zerschlagen und freuen uns auf die morgige Fahrt mit dem eigenen Kreuzfahrtschiff durch die Caldera.

Hinweis: Internetverbindung ist lausig, Bilder folgen, sobald möglich.


Santorini

Nachdem der Wind zum Morgen hin deutlich abgeflaut hat, wagen wir uns auf den Sprung nach Santorini. Durch den starken Wind steht natürlich noch eine starke alte Dünung und wir werden ordentlich durchgeschleudert. Zu allem Überfluss macht es nach zwei Stunden „Tock“ im Rigg und ein gebrochenes Unterwant fällt aufs Deck. Schöner Schreck! Sofort Druck aus den Segeln und reffen. Als Notbehelf riggen wir das bewegliche Backstag. Trotzdem fahren wir stark gerefft und unter Maschine weiter. Schade, denn der Wind steht günstig und es hätte ein Supersegeln sein können! Dennoch sind wir froh, ohne weitere Zwischenfälle in Santorini anzukommen und in dem Fischereihafen Vlichada im Süden unterzukommen.

 


Amorgos 3

eingewehte Seglergemeinde in Amorgos

So schön die Insel Amorgos mit ihren Dörfern, dem Kloster und den Felsen auch sein mag, die Zustände am Hafen spotten jeder Beschreibung. Bedingt durch sicherlich notwendige Bauarbeiten rattern und kreischen unmittelbar vor dem Boot Presslufthämmer, Bagger, Betonsägen und Winkelschleifer. Die Arbeiten gehen auch unbeeindruckt von dem zunehmenden Wind weiter, der am Vormittag bis zu 38 Knoten (Windstärke 8) aufbietet. Der Wind kreischt in den Takelagen und die Boote neigen sich mit jeder Böe zur Seite. Alle haben Angst, dass die Anker ausreißen und riggen zusätzliche Leinen. Die ersten Boote schlagen mit dem Heck schwer an die Betonpier. Eine in der Mitte des Hafenbeckens ankernde Yacht reißt sich los und wird mit dem Wind in die Bucht hinausgetrieben. Die Besitzer sind an Land, springen sofort ins Schlauchboot und holen ihr Schiff schließlich ein. Da fasst der Wind unter das Dinghi und es kentert kopfüber. Jetzt werden die ersten Zuschauer aktiv und bald sind zwei Fischerboote draußen und fangen alle wieder ein. Beim Zurückschleppen der Yacht mit der schleifenden Ankerkette werden um ein Haar ein halbes Dutzend der Boote an der Pier „entankert“. Die Adrenalinwellen schlagen hoch und es taucht die alte Frage auf: warum tut man sich das an …