Rover on tour

Logbuch


Korinth

Nach einem Zwischenaufenthalt in der Bucht von Korphos nehmen wir heute den Kanal von Korinth in Angriff. Alles verläuft ausgesprochen flüssig, freundlich und zügig. Man hat unsere Daten noch von 2011 im Computer und nach einer halben Stunde Wartezeit schickt man uns auf die 6 Kilometer lange Strecke („Full speed, captain!“). Die Stadt Korinth selbst am Westende des Kanals hinterlässt zwiespältige Gefühle: Mehr praktisch als hübsch nach einem Erdbeben wieder aufgebaut, extrem viele Banken, Cafés und Restaurants, viele dicke Autos, aber wir werden wiederholt angebettelt und der Hafen macht einen sehr vernachlässigten Eindruck. Unser Unterwant von SVB ist mittlerweile in Kalamata 200 km von hier angekommen. Da werden wir wohl von Patras aus einen Ausflug mit dem Mietwagen machen.


Poros

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Jetzt kennen wir die Wahrheit: alle diese kitschigen Bilder von Griechenland mit weißen Mauern, verwinkelten Treppen und blauen Kuppeln, kuscheligen Tavernas, bunten Haustüren und kleinen hungrigen Kätzchen: diese ganzen kitschigen Postkarten- und Kalendermotive mit dem immer dunkelblauen und glasklaren Wasser und den weißen Segeln am Horizont: sie sind alle WAHR! Echt Leute, so sieht es hier wirklich aus! Und besonders hier in Poros, wo wir gerade sind. An den Treppenkonstruktionen zwischen den Häuschen am Hügel hat sich vermutlich Escher inspirieren lassen. Also wirklich allerliebst und sooo idyllisch. Da kommt dann doch etwas Wehmut auf, dass wir in den nächsten Tagen diesen Teil Griechenlands durch den Kanal von Korinth wieder verlassen werden. Wo sich das Paket mit unserem neuen Unterwant aus Deutschland wohl gerade befindet, das wir an eine Marina am Südende des Peloponnes schicken ließen? Alle Planungen sind im freien Fluss: Die Marina in Tunesien, wo wir das Boot für den „Sommerurlaub“ in Deutschland lassen wollten, wird nun doch erst noch ein weiteres Jahr später fertig als geplant. Irgendwie erinnert das an Großprojekte in Deutschland…


Kiparissi

Nach zwei Tagen und drei Nächten mit Starkwind und Böen bis 37 Knoten waren wir reif. Reif für die bittere Entscheidung, die Südumrundung des Peloponnes aufzugeben und dafür „oben rum“ zu gehen, also durch den Kanal von Korinth. Die Wettervorhersagen für die nächsten Tage für das Gebiet um das Kap dort unten waren einfach zu schlecht und ungünstig. Dazu kommt das Fehlen sicherer Ankerplätze für Südwind. In nur einer Woche hatten wir nun schon zwei Mal Pausen wegen Südstürmen bis 8 Beaufort einlegen müssen. Die gesamte Ägäis wird seit Tagen von einem Starkwindband durchzogen. Irgendwie ist das Wetter auch hier ein bisschen durcheinander. Die anderen drei Boote in Monemvasia kamen zu der gleichen Einschätzung. Also auf nach Norden. Belohnt wurde der Entschluss mit sanftem Dahintuckern (jetzt natürlich wieder zu wenig Wind…) entlang an der pompösen Silhouette des Peloponnes. Endstation für heute war die Bucht der kleinen Stadt Kiparissi, wo wir als einziges Boot auf 8 Meter Sand ankern konnten. Und schwimmen. Das grenzt bald an Urlaub.


Monemvasia

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Der erste Angriff des Windes kam um 3 Uhr nachts. Das Brausen schwoll an, bis alles, was an Deck noch Bewegungsspielraum hatte, diesen ausnutzte und zu klappern anfing. Rover legte sich auf die Seite und quetschte seine acht Backbordfender an die Betonpier. Festmacher und Springs dehnten sich. Aber wir lagen sicher. Nach einem nächtlichen Rundgang mit der Taschenlampe über Deck legten wir uns wieder in die Kojen und lauschten dem Konzert. Wie gut, dass wir hier waren! Am nächsten Tag erkundeten wir die Bäckereisituation im Dorf: große Klasse! Was für ein Ort, um eingeweht zu sein! Nachmittags ging es auf den Gibraltar-Felsen, wo ein Dorf aus dem 11. Jahrhundert liebevoll für die Touristen wiederhergestellt wird. Schönes Gefühl, auch morgen noch hierbleiben zu dürfen.


Flucht nach Monemvasia

Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Nach einem Notkaffee starten wir um 5:30 Uhr bei der ersten Dämmerung die Maschine, werfen die Leinen los und motoren sanft durch den Hafen Richtung Lagunenausgang. Erster Eindruck: das Dampferlicht am Mast geht nicht. Muss ohne gehen – es wird eh gleich hell. Die Stimmung bei Sonnenaufgang, während wir die bizarren Felsformationen passieren, ist super eindrucksvoll. Sollten wir öfter machen! Dann bringen wir Rover auf Kurs Richtung Westen, nach Monemvasia, und die Maschine auf Marschdrehzahl (1500 U/min). Wind ist totale Fehlanzeige. Das entspricht auch dem Wetterbericht, der später mäßige Südwinde prognostiziert und ab dem frühen nächsten Morgen das Einsetzen des Sturms. Das sollte gut zu schaffen sein. Für die 67 Meilen rechnen wir mit 12 bis 13 Stunden. Da das Wetter den Wetterbericht aber vielleicht nicht kennt, gehen wir kein Risiko ein und maximieren sozusagen unsere Geschwindigkeit: sprich, die Maschine läuft immer mit, auch als der Südwind später tatsächlich einsetzt. Gegen Mittag – am Point of no Return – machen wir den Fehler und schalten den UKW-Seefunk auf Kanal 16 ein. Kurze Zeit darauf hören wir die erste Warnmeldung: „Securité, Securité, Securité – to all ships, to all ships, to all ships: gale warning force eight, locally nine“. Dann folgt ein sehr ausführlicher Seewetterbericht – leider auf Griechisch – gefolgt von einer Ausgabe, die wir mühsam als Englisch identifzieren. Leider verstehen wir weder Orte noch Zeiten. Die Tatsache, dass die Sturmwarnung alle Stunde wiederholt wird, hilft leider auch nicht. Jetzt fühlen wir uns trotz gutem Wetter, als ob uns der Teufel im Nacken sitzt. Die Stunden ziehen sich dahin, der Wind wird mal stärker, mal schwächer. Die Kreuze auf der Überseglerkarte zeigen nur ein mühsames Vorwärtskommen. Wieviel Segel können wir unserem geflicktem Unterwant zumuten? Aber natürlich geht wieder mal alles gut und gegen 17 Uhr nähern wir uns dem Zielhafen Monemvasia. Alle offensichtlichen Liegeplätze sind schon belegt. Alle suchen Schutz. Aber wir erinnern uns an die Aussage von der NIMROD, dass der als verboten markierte Platz für den Rettungskreuzer genutzt werden kann, da das Life boat sich einen besseren Platz mit Stromanschluss gesucht hat. Vorsichtig gehen wir längsseits und werden von der Port Police kommentarlos geduldet. Geschafft!