In den Startlöchern
Heute abend scheint ein Großteil der zu erledigenden Dinge abgearbeitet zu sein. Segel sind eingefädelt, Wassertanks gefüllt, Deck geschrubbt, Schokoladevorräte ergänzt und die bösesten Rosttränen mit Oxalsäure verschwinden gelassen. Immer wieder werden wir von Regenschauern unterbrochen, das Wetter ist unfreundlich. Soll aber wohl besser werden. Morgen solls also losgehen. Tanken werden wir nicht: 1,78 EUR pro Liter sprengt unser knappes Reisebudget.
Zurück an Bord!
Letztlich eigentlich doch relativ planmäßig sind wir gestern abend in Olbia eingetroffen und haben das Schiff wieder in Betrieb genommen. „Wir“ sind zurzeit nicht Margrit und ich , sondern Till und ich, wobei Till wiederum für Lorenz eingesprungen ist. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls haben wir das Mietauto (von Alghero nach Olbia) vor der Abgabe gleich genutzt, um Großeinkäufe in Form von schweren Weinflaschen u.ä. zu tätigen. Rover war soweit gut in Ordnung, Batterien durch Solarenergie prallvoll, Rostflecken in erwartetem Umfang, aber alles in allem OK. Das eigentliche Problem wurde erst heute klar, als wir die marine Population an Rumpf, Ruderblatt und Propeller untersuchten. Im Gegensatz zu praktisch allen Nachbarbooten war unser Rumpf von einem 25 bis 30 mm dicken PELZ, bestehend aus Miesmuschelchen, Kalkröhrenwürmern und Seepocken, bewohnt. Der Propeller war nur noch als kugelartiges Gebilde wahrzunehmen. Kein Problem, das Marinaoffice hat Abhilfe parat: ein Taucher mit Spachtel! (Selbst tauchen natürlich verboten…). Für ein kleines Entgeld von 150 EUR pro 15 Minuten macht man alles sauber. Das stachelte denn doch unseren Ehrgeiz an und wir griffen zur Selbsthilfe. Mittels eines vom Schlauchboot aus geführten Pfannenwenders, trickreich mit Klebeband und Kabelbinder am Bootshaken befestigt, kratzten und schabten wir, was das Zeug hielt. Das Ergebnis wurde dann mittels einer Unterwasser-Kamera gecheckt, die gleichfalls an eben jenem Bootshaken befestigt wurde und automatisch alle 10 Sekunden ein Unterwasserbild lieferte. Man gönnt sich ja sonst nichts. Ergebnis: Sicher nicht regattatauglich, aber gut genug für uns! Morgen spielen wir weiter mit Segel einziehen und Boot startklar machen.
Vorfreude
Normalerweise bin ich sehr vorsichtig mit der Bekanntgabe von Plänen, aber hier möchte ich doch mal einen Blick in meine Gedanken gestatten:
Der Plan sieht also vor, Rover von Olbia über Korsika nach Port St. Louis zu segeln, also an die Mündung der Rhone. Kennen wir ja schon. Dortselbst wird vorsichtig der Mast gefällt und auf Deck festgeschnallt. Hatten wir 2010 auch schon. Dann geht’s rhoneaufwärts, vermutlich gegen erhebliche Strömung, aber das iss nu mal so. Dann also über Lyon in die Saone und weiter in die alten Kanäle von Frankreichs Innerstem. Dann: Ahhh Paris, la merveille! Weiter dann auf der Oise gen Belgien. Über Brüssel und Antwerpen kommen wir dann in Zeeland/Holland raus und steuern Amsterdam an. Vermutlich größtenteils über die „Stehende-Mast-Route“. Am Ijsselmeer vorbeigeschrammt queren wir Friesland und erreichen Groningen. Hier können wir Ostfriesland schon fast riechen, müssen aber vorher noch die Ems meistern und in Emden rein in den Ems-Jade-Kanal. Na, ab hier ist es dann ein Heimspiel. Wilhelmshaven achteraus schaukeln wir über den Jadebusen und machen in Varel am Besuchersteg fest. So einfach ist das. Vorsichtige Schätzungen belaufen sich auf 2.000 km und 400 Schleusen. Na denn. Am 2.April geht’s los! Stay tuned.



