Wir sind zurück aus Deutschland mit nachhaltigen Eindrücken vom Wahnsinn auf den deutschen Autobahnen. Französische Autobahnen sind dagegen Labsal für die Seele und jeden Cent Maut wert. Von den 1750 Freikilometern des Mietwagens haben wir 1742 ausgenutzt. Nach der Abgabe des Wagens hatten wir noch ein bisschen Zeit, uns Dijon anzuschauen und waren angenehm angetan. Eine saubere, bestens organisierte Stadt mit beispielhaftem öffentlichen Nahverkehr. Für die 30 km von Saint Jean (wo Rover immer noch liegt) bis hier werden wir mit dem Boot zwei Tage veranschlagen (20 Schleusen …).
immer noch St. Jean
Wir haben für morgen ein Mietauto geordert, um über die Schweiz nach Deutschland zu fahren. Bis dahin vertreiben wir uns die Zeit mit Radfahren am Kanal, dem Bestaunen der unzähligen zum Wohnschiff umgebauten Lastkähne und dem Klönen mit allen möglichen Leuten. Wenn alles so läuft wie geplant, sind wir am 13.Mai wieder auf dem Schiff und nehmen den Kanal den Bourgogne Richtung Paris in Angriff.
Saint Jean de Losne
Es ist immer noch recht kühl und regnerisch auf unserer Fahrt nach Saint Jean de Losne. Saint Jean stellt einen Verkehrsknotenpunkt im französischen Kanalnetz dar und entsprechend ist die Infrastruktur für die Kanalschifffahrt. Das Einparken in dem recht engen Hafen bei Wind und mit dem Kiel halb im Schlamm ist eine Herausforderung – aber wieder einmal haben wir nichts kaputt gemacht! Hier soll Rover für ein paar Tage bleiben, während seine Crew nach Deutschland fährt zu einem Familienfest. Danach soll es weiter Richtung Paris über den Canal de Bourgogne gehen. Ein erster Blick auf die Minischleusen des Kanals, von denen es auf 242 Kilometer 189 (!) Stück gibt, lässt uns die Haare zu Berge stehen. Der Kanal stammt in seinen Anfängen aus dem Jahr 1775 und wird uns auf 400 m über dem Meeresspiegel bringen, einen Tunnel von 3,3 km Länge inbegriffen. Für die Tunnelfahrt müssen wir vorn am Boote noch Scheinwerfer anbringen und die „Schultern“ des Solar-Geräteträgers mit Fendern polstern.
Chalon sur Saone à Verdun sur Doubs
Von Macon fahren wir durch bis Chalon – sind zwar 60 km (praktisch das Doppelte unserer normalen Tagesroute), aber in keiner Herberge zwischendurch war Platz für uns. Chalon war (wieder) sehr angenehm, auch konnten wir wieder mal duschen. Da wir die letzte Schleuse gestern noch schnell mitgenommen hatten, konnten wir heute am ersten Mai schleusenfrei weiterfahren bis Verdun, was einen Kilometer hinter der Mündung der Doubs in die Saone liegt. Netter kleiner Ort, trotz immer mal wieder Schauer zwischendurch. Nachher wollen wir noch das Pizzamobil beglücken.
Macon
In kleinen Schritten arbeiten wir uns nach Norden. Die Saone ist die Ruhe selbst. Idülle pur. Die Dörfer strahlen das typisch südfranzösische mittelalterliche Flair aus. Die Immobilienpreise für diese historischen Ruinen liegen auf dem Niveau des Genfer Sees. Aber wir haben ja alles, was wir brauchen. Gestern Montmerle, heute Macon – schon fast eine Großstadt. Am ersten Mai bleiben die Schleusen geschlossen. Aber wir haben Zeit.