20 Kilometer vor Paris. Morgens Nieselregen, nachmittags brennt die Sonne so, dass die verbleibenden Hirnreste Blasen werfen. Die Nähe zur Großstadt zeigt sich zuerst durch prächtige Villen am Ufer, die Märchenbüchern entsprungen zu sein scheinen: voller Türmchen mit Spitzdächern, überall noch ein Giebelchen und Erkerchen, meist in Fachwerkbauweise. Da verstummt jeder Neid. Heute am Pfingstsonntag ähnelt die Seine mehr einer Badeanstalt voller Kühlungssuchender denn einer Binnenwasserstraße (trotz gelegentlicher Großschifffahrt). Verdörrt erreichen wir den Port aux Cerises, den Kirschenhafen, und lassen ein paar Liter Wasser auf dem Körper verdampfen.
Archiv der Kategorie: 2014
St. Mammès
Von Villeneuve sind wir über Pont sur Yonne und Montereau mittlerweile in St. Mammès angekommen. Damit haben wir auch schon das Ende der Yonne erreicht und befinden uns auf der Seine. Paris kann nicht mehr weit sein. Den letzten Tag sind wir zusammen mit Donna und Wyn auf ihrem 15 m/25 to-Schlachtschiff Liberté gefahren – eine ausgesprochen nette Gesellschaft, die abends ihre Fortsetzung fand! Die Seine ist ein bisschen breiter und tiefer als die Yonne und wälzt sich genauso träge gen Atlantik. Der kommerzielle Schiffsverkehr ist zurückgekehrt, hält sich aber in Grenzen. Wir genießen die letzten Tage in der Natur, bevor die Vororte von Paris anfangen. Rover ist ein bisschen zerkratzt und verdreckt von den unzähligen Schleusen und Anlegemanövern, aber nichts wirklich Schlimmes. Hier in St. Mammès hat es uns so gut gefallen, dass wir gleich einen Tag geblieben sind und uns heute per Fahrrad das Nachbarstädtchen Moret-le-Loing angesehen haben – samt Kathedrale, mittelalterlichen Türmen und Stadtmauern und allem, was so dazu gehört. Frankreichs Reichtum an historischen Gebäuden hört nicht auf, uns in Erstaunen zu versetzen. Morgen geht’s weiter Richtung Paris (noch 3 Tage) und … pssst: weitersagen: Margrit hat morgen Geburtstag!!
Villeneuve sur Yonne
Joigny
Die relative Weite des Flusses Yonne, der uns jetzt aufgenommen hat, wirkt regelrecht entspannend. Endlich wieder ausreichend Wasser an beiden Seiten und unter dem Boot! Man kann wieder etwas schneller fahren (8,5 km/h) und sogar den Autopiloten wieder bemühen. Kein Aufwirbeln von Schlamm mehr und kein Gras im Seewasserfilter. Die erste kurze Yonne-Etappe führt uns nach Joigny, ein weiteres mittelalterliches Kleinod. Die Kommunalverwaltungen können einem bei soviel Denkmalschutzwürdigem fast leid tun.
Migennes
Die letzten Kilometer des Canal de Bourgogne liegen hinter uns! Nach 16 Tagen plus drei Tagen Streik der Schleusenwärter sind wir in Migennes angekommen, wo der Kanal aus dem Fluss Yonne abzweigt. Ich vermute, dass wir damit auch das Nadelöhr der Gesamtstrecke geschafft haben. Aufgrund des verlängerten Wochenendes war zuletzt viel Verkehr durch Mietboote, die wir intern „Bum-Bum-Boote“ nennen. Da man hierfür in Frankreich keinen Führerschein braucht, sind sie zum eigenen, sowie zum Schutz von Schleusen und gelegentlichen Segelbooten über und über mit dicken Gummiwülsten und Prallplatten versehen (wie Autoscooter auf dem Jahrmarkt). Zu guter Letzt wollte uns noch eine Phalanx von 30 Anglern aufhalten, die an einem Wettbewerb teilnahmen. Ein Teilnehmer konnte nur durch beherztes Kappen seiner Schnur verhindern, dass wir seine Waffe (=Angelrute) hinter uns herzogen. Lästig, diese Angler. Abends dann noch nettes Socializing mit Jill und Frank, vor deren Reiselust wir nur erblassen können.




