Rover on tour

Logbuch


Santa Maria Navarrese

Ostküste Sardiniens

Ostküste Sardiniens

Wir sind Porto Corallo herzlich leid, als wir nach fünf Tagen endlich weiterziehen können, jetzt mit meiner Nichte Ulla als Gast an Bord. Sie ist nach Cagliari eingeflogen und hatte unseren 65 km entfernten Hafen schon nach einem Tag erreicht … die öffentlichen Verkehrsmittel haben hier ihre eigenen Gesetze. Das von Ulla erhoffte schöne Sonnenwetter glänzt durch Abwesenheit: dicke Wolken und heftiger Regen sind zunächst angesagt. Später lockert es aber natürlich wieder auf und wir sehen etwas mehr von Sardiniens Ostküste. Und der Zielort Santa Maria Navarrese ist geradezu entzückend, wenn auch von Touristen gut besucht. Man merkt auch hier dem Wetter den nahen Herbst an. Nachts muss man sich schon wieder zudecken.


Porto Corallo, Sardinien

Rover in Porto  Corallo, neue Gewitterwolken am Horizonz

Rover in Porto Corallo, neue Gewitterwolken am Horizont

Wir brechen früh in Marettimo auf, weil die Verhältnisse mit dem Schwell im Hafen langsam untragbar und gefährlich werden. Die Schiffe kollidieren mit dem Steg und mit den Nachbarn. An Schlaf ist sowieso nicht zu denken. Marettimo erhält von uns den ersten Preis in dem Wettbewerb um die unverschämteste Abzocke in italienischen Häfen, und das gegen starke Konkurrenz. Die ersten der 144 Meilen nach Sardinien gestalten sich wie erwartet sehr rollig. Der Wind kommt immerhin von achtern, später richtet sich auch das Wellensystem darauf ein. Rover schwankt stark von einer Seite auf die andere, alle zwei Sekunden muss man sich woanders festhalten. Leider ist der Wind teilweise zu schwach, um zu verhindern, dass bei der Rollerei der Wind aus den Segeln geschlagen wird und dann krachend das Segel wieder füllt. Entspannend würde ich es nicht nennen. Als die Sonne geht, stellen wir fest, dass wir Neumond haben – also kein Licht … denken wir zunächst. Dann kommen zunächst die Sterne: Milchstraße vom Feinsten! Dann entdecken wir auf dem Radar riesengroße Gebilde von ein bis zwei Kilometer Durchmesser, die auf uns zuhalten. Als sie uns erreichen, wird der Himmel schwarz: Es sind Gewitterwolken! Um uns herum setzt ein Geblitze und Wetterleuchten ein, dass einem angst und bang wird. Und dann sieht man auch noch diese Riesenwellen, die von hinten auflaufen! Das gespenstische Schauspiel dauert die ganze Nacht. Ständig fürchten wir einen Blitzeinschlag in den Mast und können doch nichts tun, um es zu verhindern. Aber Rover läuft unbeeindruckt da durch. Wir lassen die Maschine mitschnurren, um nicht zu spät anzukommen. Mit dem Morgengrauen wird es besser. Wind und Wellenbild werden ruhiger. Gegen 13 Uhr (nach 30 Stunden) laufen wir in Porto Corallo an der Ostküste Sardiniens ein und kriegen einen schönen und sicheren Platz. Wir sind rechtschaffen erledigt. Dass in der nächsten Nacht das gleiche Blitzen aus schwarzen Wolken wieder einsetzt, kann uns nicht mehr beeindrucken.


Marettimo

Wir versuchen, den Argentiniern Javier und Graziella bei der Reparatur ihres Vorstags zu helfen, aber nach der Demontage ist Schluss: Teile müssten aus Palermo bestellt werden, dauert vier Tage. Die beiden beschließen, mit ihrem zweiten Vorsegel nach Palma di Mallorca durchzusegeln und dort zu reparieren. Buen viaje! Da die beiden fast kein Englisch sprechen, kommunieren wir auf Spanisch auf unterstem Niveau. Esta bien! Wir motoren bei öliger Flaute zur Isla Favignana, um einen Badestop einzulegen. Leider entdecken wir vor dem Baden kleine rote Quallen, sodass einer von Bord aus immer Wache schieben muss, während der andere im Wasser ist. Das Unterwasserschiff und die Schraube sind leider stärker bewachsen als vermutet. Das bremst, ist aber momentan nicht zu ändern. Der Schwell in der Bucht scheucht uns bald weiter auf die Strecke nach Marettimo. Jetzt kriegen wir Wind, leider fast zuviel und natürlich fast von vorn. Im Hafen von Marettimo steht eine fürchterliche Dünung: die Boote und der wackelige Steg gehen hoch und hin und her. Alles klappert und ächzt. Aber die eine Nacht werden wir schon überstehen. Morgen solls ganz früh auf den Weg nach Sardinien gehen, vermutlich mindestens 28 Stunden. Das vorausgesagte Wetter würde einigermaßen passen – wenn es denn eintrifft. War gerade bezahlen: für den Wackelsteg ohne Duschen und Toiletten will man 65 EUR haben, Nebensaisonpreis, im August hätten wir noch 80 EUR bezahlt… Da kommt Freude auf.


Marsala

DSCI0092Da das Wetter sich morgens nicht entscheiden kann, ob es für oder gegen uns ist, gehen wir in die Offensive und laufen aus. Noch im Hafen rächt sich das Wetter und spielt sich auf: die dunklen Wolken werden noch dunkler, die Regentropfen fallen dichter und rund um uns zucken die Blitze. Ein paar Stunden später herrscht Weltuntergangsstimmung. Tropischer Regen bügelt die Wellen platt, die Sicht gegen gegen Null und wir fragen uns, ob man Metall anfassen darf, falls der Blitz in den Mast einschlägt. Bei den Argentiniern, die mit uns ausgelaufen sind, bricht ein Vorstag. Aber alles geht vorüber und am Horizont wird es auch schon wieder heller. Von Ankern und morgens ums Schiff schwimmen sind wir weit weg. Segeln zum Abgewöhnen?


Sciacca

Ausfahrt aus Licata

Ausfahrt aus Licata

Die Südküste Siziliens zwischen Licata und Sciacca erweist sich als relativ unspektakulär. Die Strecke „zieht sich“. Wir beschließen, den nächsten Tag hier zu bleiben und gratulieren uns 12 Stunden später zu dieser Entscheidung, als ein wüster Gewittersturm mit Winden bis zu 35 Knoten (8 Beaufort) uns an den Steg presst. Die Wettervorhersagen auf den verschiedenen „Programmen“ sind extrem uneinheitlich, irgendwie scheint alles durcheinander. Auch die Argentinier neben uns verschieben ihre Abreise (Richtung Gibraltar) immer wieder. Heute morgen dann der nächste Gewittersturm mit Unmassen von Regen. Nach dem Regen ist unser Luftfeuchtigkeitsmesser fast am Anschlag. Dennoch machen wir uns auf in die Stadt. Italienisches (sizilianisches?) Chaos allerorten. Feine Hotels neben Müllkippen und schattige Cafés neben Barockruinen. Und Siesta von 13 bis 17 Uhr.