Rover on tour

Logbuch


07.08.2010

Heute soll der große Tag des Ausbruchs sein (zumindest für die anderen). Es wird 09:00 Uhr, alle stehen standby, Leinen sozusagen in der Hand. Schleusenampel zeigt doppelrot, also noch gesperrt. 09:15: die Spannung steigt. 09:30: Leinen werden erstmal wieder belegt, Ampel rot. 10:00: erste Bemerkungen über das französische Organisationstalent werden laut. 10:30: Fatalismus macht sich breit, neuer Kaffee wird aufgesetzt, Ampel rot. 11:00: ein Auto der französischen Kanalverwaltung erscheint. Auskunft: man habe nicht genug Wasser, um die leergelaufenen Kanalabschnitte wieder zu füllen. Morgen früh sei es soweit. Bestimmt. Mittlerweile ist der Wasserstand bei uns so weit gefallen, dass die Binnenschiffe fest auf Schiet sitzen. Nun denn. Ich bin nicht böse, denn mir bleibt die liebgewonnene Gesellschaft noch erhalten. Nachmittags kommt zudem lieber Besuch: Michaela, Viviane und Hajo von der Jolie Brise sowie Gisela und Werner von der Thetis II rollen jeweils im Wohnmobil an! Wir improvisieren auf zwei Einweggrills einen Grillabend und es gibt viel zu erzählen.


06.08.2010

Aaahh: die Arbeiten an der Schleuse sind abgeschlossen! The gates are open, die Tore zum Mittelmeer stehen offen!! Ab 09:00 Uhr morgen früh werden zuerst die beiden kommerziellen Binnenschiffe, danach alle anderen sozusagen fluchtartig diesen gastlichen Ort verlassen. Alle? Nein, zwei tapfere kleine Boote werden ausharren – nicht weil sie dieses nette Dorf so liebgewonnen hätten, sondern weil die Crew bis Sonntagabend auf Landgang ist!! Es sind dies Rover und Marysol. Tja, das fällt schon schwer, aber ich kann dankbar sein – und bin es auch – dass Margrit sich weiter Zeit nehmen kann, um mich bis ins gelobte Meer zu begleiten. Zusätzlich soll ich morgen Besuch kriegen: sowohl Hajo und Michaela von Jolie Brise als auch Gisela und Werner von der Thetis II wollen vom Süden Deutschlands mal schnell rüberkommen – allerdings beide im Wohnmobil. Da warte ich doch gerne noch ein bisschen.


05.08.2010

Sechster Wartetag. Aber: an der Schleuse wird fleißig gearbeitet und die Prognosen ziehen sich langsam wieder von drei Monaten auf 11 Tage zurück. Unsere Gruppe hat sich nochmal verkleinert: die Schweizer Tacitus wurde gestern morgen von einem Kran aus dem Wasser genommen und wird nun per Trailer zum Zürcher See gebracht. Weitere diverse Bastelarbeiten am Schiff, sogar teilweise erfolgreich: LED als Ladekontrolle der Lichtmaschine geht ja gar nicht, da ist der Erregungsstrom zu klein – weiß doch jeder. ENDLICH die Ursache für das Wasser in der Motorbilge gefunden: Schwimmerschalter der Pumpe für das Stopfbuchswasser war in seiner freien Bewegung behindert, daraufhin floß das Wasser über in die Motorbilge… Heute bin ich per Überlandbus durch die schönen Vogesen nach Epinal in die große Stadt gefahren. U.a. hab ich einen USB-Stick zum mobilen Internetanschluß erworben. Man hat ja sonst nichts zu tun. Ist diese Technologie schon in Deutschland schwer durchschaubar, kommt hier erschwerend hinzu, dass die Franzosen JEDEN englisch angehauchten Begriff durch französische Wortschöpfungen ersetzen, die einen zur Verzweiflung treiben. Da verwandelt sich der einfachste Text in Serbokroatisch oder so. Weiter kommt hinzu, dass das französische Fachpersonal die englischen Begriffe nicht einmal kennt (teilweise) und auf meine Frage, was den die Einheit “Mo” sei, erntete ich nur bedauerndes Kopfschütteln (mittlerweise weiß ich’s: Mega-octet entsprechen unseren Mb…). So, jetzt hab ich also das Ding gekauft und installiert und kriegs nicht gestartet, weil die SIM-Karte “préactivé” werden muss und zwar von einem FESTNETZ-Telefon aus. Jetzt darf ich also morgen erstmal eine Tefonkarte dafür kaufen und die Spinnweben von der lokalen Telefonzelle entfernen. Wie gesagt: man hat ja sonst nichts zu tun.


03.08.2010

Vierter Wartetag! Geruechteweise soll gestern ein EXPERTE die kaputte Schleuse BESICHTIGT haben! Na da muss man doch Hoffnung haben. Die ersten Boote unserer Notgemeinschaft sind nach Norden geflohen, ein Schweizer Boot wird morgen per Kran abgeholt. Fuer uns kommt eine Alternativroute nur bei Wartezeiten groesser vier Wochen in Frage. Das waeren etwa 150 Schleusen zusaetzlich… Bin heute mit dem Fahrrad nach Bains les Bains, wo es richtiges Internet gibt! Urlaub machen ist gar nicht so einfach. Hab schon die Lichtmaschine gewechselt sowie die Deckwaschpumpe zerlegt und weggeschmissen. Margrit zirkelt in Deutschland durch die Geschaefte und besorgt Ersatzausruestung.


01.08.2010

Fontenoy le Chateau

Fontenoy le Chateau

Jetzt hat es uns doch erwischt! Nachdem wir zunächst gerüchteweise gehört hatten, dass eine Schleuse weiter unten wegen Reparatur für eine Woche gesperrt werden sollte, haben wir uns so beeilt, dass wir am Freitag in einem Mammutprogramm 34 Schleusen bewältigten. Mit dem Ergebnis, dass sie uns praktisch den Kanal vor der Nase zu gemacht haben: Vorläufig anvisiertes Arbeitsende soll der 11.August sein! So hängen Rover und Marysol nun in Fontenoy le Chateau fest, mitten in den Bergen der Vogesen. Das Dörfchen hat seinen Charme, zugegeben, es gibt Baguette, Wasser, Duschen und Strom. Wir hätten es schlechter treffen können. Auch weiter oben wurde zugemacht, sodass auch keine zusätzlichen Boote nachkommen. So bilden wir also eine bunt zusammengewürfelte Notgemeinschaft aus Engländern, Neuseeländern, Schweden, Schweizern, Holländern, Franzosen und Deutschen. Lorenz, Sabine und Margrit beschließen, einen Kurztrip nach Hause zu unternehmen. Mit einem Mietwagen verlassen sie mich Sonntag morgen und ich seh‘ mich plötzlich gezwungen, “Urlaub” zu machen.