Wir verlassen den Canal de l’Est der Maas und kommen in die Mosel. Der Fluß ist jetzt wieder breit und tief und grün gesäumt. Ein paar große Schleusen versuchen uns noch Angst einzujagen, aber dann wird’s wieder idyllisch. Mit meinem Schaltprovisorium bei offenem Motorraum komm ich einigermaßen zurecht. Aber mit Margrit als Crew ist es natürlich einfacher. Bei Toul haben wir eine “Senke” erreicht, danach schleusen wir auf den zweiten “Berg” hinauf. Insgesamt jetzt 121 Schleusen und etwa die halbe Strecke bis ins Mittelmeer!
Archiv nach Autor: georg
23.07.2010
Heute gehts weiter! Die Getriebebedienung funktioniert soweit. Ich stehe dabei auf der Gräting über dem offenen Motorraum und fühle mich wie ein Maschinist. Der Lärm betäubt die Sinne, aber unser Tagesprogramm lässt sowieso nicht viel Muße zu: vier Schleusen geht’s rauf auf 256 m über NN, dann Mittags- und Arbeitspause, weil der Motor von Marysol heiß wird. Kriegen wir aber auch hin. Dann ein weiterer Tunnel: 856 m!! Direkt danach geht es wieder bergab: erste Schleuse mit 6,5 m ohne Schwimmpoller und dann allein an Bord! Aber mit etwas Leiterakrobatik kommen wir da raus. Es folgen in extrem rascher Folge elf weitere Schleusen runter nach Toul. Danach sind wir alle ziemlich geschafft. Ein schönes Plätzchen in Toul im Port de France mit Dusche entschädigt. Abends hole ich Margrit vom Bahnhof ab, die wohl noch nicht ahnt, auf was sie sich da eingelassen hat. Toul gefällt uns gut, wenn auch die Illumination der Kathedrale an technischen Schwierigkeiten buchstäblich ins Wasser fällt.
22.07.2010
Mit dem guten Wetter scheint uns auch das Glück verlassen zu haben. Bei dem Auswechseln der Einhebelschaltung zur Bedienung von Motor und Getriebe ist offenbar der Schaltzug zum Getriebe kollabiert. Die Folge ist, dass nach frohgemutem Start schon in der ersten Schleuse sich kein Gang mehr einlegen lässt und Rover an der langen Leine aus der Schleusenkammer getreidelt werden muss. Der Schaden lässt sich mit Bordmitteln nicht reparieren, aber ich bringe provisorisch zwei dünne Leinen am Getriebeschalthebel an und führe sie durch die offene Motorklappe nach oben. Damit habe ich wie ein Marionettenspieler einen gewissen Einfluss auf das Getriebe, muss aber manchmal raten, ob der Vor- oder Rückwärtsgang drin ist. Weiterfahren tun wir trotzdem nicht, da Lorenz’ Rücken eine Ruhepause braucht nach den extremen Verrenkungen in der Backskiste und so fahren Martin und ich im Regen per Fahrrad nach Commercy zurück und besorgen ABC-Pflaster. Das Abendessen gerät trotz allem oppulent.
21.07.2010
Unser 3-Mann-Team mit zwei Booten kommt ganz gut zurecht. Marysol fährt vor in die Schleusenkammer und macht fest, dann tuffelt Rover hinterher und ich schmeiße die vorbereiteten Leinen hoch, wo Lorenz sie um den Poller legt. Mit etwas Übung steigt die Gelassenheit. Der Kanal ist nach wie vor sehr schmal und flach, außerdem extrem verkrautet. Letzteres führt dazu, dass Lorenz teilweise in 10 Minuten Abständen tauchen muss, um die Schraube von Marysol von Wassersalat zu befreien. Rover hat diesbezüglich keine Probleme, nur der Seewasserfilter will abends von Grünfutter entleert werden. Wir halten in Commercy hinter dem Aldi-Markt, um eine Pause zu machen, beschließen dann aber wegen schlechter Wettervorhersage und bodenlosem Barometer (und der guten Versorgungslage), bis morgen zu bleiben. Damit keine Langeweile aufkommt, wollen wir mal eben die Einhebelschaltung von Rover tauschen, brechen dann nach mehreren Stunden etwas ernüchtert ab, um das Schiff morgen wieder fahrbereit zu machen. 99 Schleusen, 224 m über NN.
19.07.2010
Crewwechsel bei Rover und Marysol! D.h. bei Rover kein Wechsel in dem Sinne, da Cora aufgrund einer ernsten Verletzung ihrer Reisepartnerin ihre Pläne ändern muss und nun nicht kommen kann. Silke fährt mit dem Bus nach Metz und per Zug weiter nach Hause. Vorher macht sie noch Klarschiff und sichtet die Vorräte. Das bin ich nun allein auf dem Schiff! Sabine von Marysol geht für eine Woche nach Hause, dafür kommt Martin. So sind wir nun drei Männer mit zwei Booten. Damit wollen wir uns morgen in die Schleusen der Maas wagen. Wird schon irgendwie gehen… Wetter nach wie vor phantastisch. Suche nach der Leckstelle in Rover wieder mal ergebnislos. Treibstoffverbrauch erwartungsgemäß ca. 2,9 Liter/Betriebsstunde.