Vierter Wartetag! Geruechteweise soll gestern ein EXPERTE die kaputte Schleuse BESICHTIGT haben! Na da muss man doch Hoffnung haben. Die ersten Boote unserer Notgemeinschaft sind nach Norden geflohen, ein Schweizer Boot wird morgen per Kran abgeholt. Fuer uns kommt eine Alternativroute nur bei Wartezeiten groesser vier Wochen in Frage. Das waeren etwa 150 Schleusen zusaetzlich… Bin heute mit dem Fahrrad nach Bains les Bains, wo es richtiges Internet gibt! Urlaub machen ist gar nicht so einfach. Hab schon die Lichtmaschine gewechselt sowie die Deckwaschpumpe zerlegt und weggeschmissen. Margrit zirkelt in Deutschland durch die Geschaefte und besorgt Ersatzausruestung.
Archiv nach Autor: georg
01.08.2010
Jetzt hat es uns doch erwischt! Nachdem wir zunächst gerüchteweise gehört hatten, dass eine Schleuse weiter unten wegen Reparatur für eine Woche gesperrt werden sollte, haben wir uns so beeilt, dass wir am Freitag in einem Mammutprogramm 34 Schleusen bewältigten. Mit dem Ergebnis, dass sie uns praktisch den Kanal vor der Nase zu gemacht haben: Vorläufig anvisiertes Arbeitsende soll der 11.August sein! So hängen Rover und Marysol nun in Fontenoy le Chateau fest, mitten in den Bergen der Vogesen. Das Dörfchen hat seinen Charme, zugegeben, es gibt Baguette, Wasser, Duschen und Strom. Wir hätten es schlechter treffen können. Auch weiter oben wurde zugemacht, sodass auch keine zusätzlichen Boote nachkommen. So bilden wir also eine bunt zusammengewürfelte Notgemeinschaft aus Engländern, Neuseeländern, Schweden, Schweizern, Holländern, Franzosen und Deutschen. Lorenz, Sabine und Margrit beschließen, einen Kurztrip nach Hause zu unternehmen. Mit einem Mietwagen verlassen sie mich Sonntag morgen und ich seh‘ mich plötzlich gezwungen, “Urlaub” zu machen.
29.07.2010
Wir sind über den Berg! Heute bringen uns in einem Gewaltakt 20 Schleusen rund 60 m höher auf 360 m über NN. 15 davon sind eine richtige Schleusentreppe, wo zwischen den einzelnen Kammern kaum Zeit bleibt, die Leinen wieder zu ordnen. Aber dann sind wir OBEN und schlängeln uns durch einen derart schmalen und zugewachsenen Kanal, dass einem fast Zweifel an der Richtigkeit der Strecke kommen. Hier ist die Wasserscheide zwischen den Wassersystemen, die sich nach Norden bewegen und den anderen, die ins Mittelmeer fließen. Von nun an geht’s bergab: Das Mittelmeer saugt uns an! Schleusenzähler auf 171. (Anmerkung zum position report: kriege zurzeit keine Verbindung zu dem zuständigen Server in San Diego.)
26.07.2010
Herrliches Gefühl, mit dem reparierten Schaltzug wieder unterwegs zu sein! Heute kreuzte der Kanal auf einem Viadukt die Mosel … was man mit einem Schiff nicht alles machen kann, über Brücken und durch Tunnel … Nach 15 Schleusen landen wir abends in Charmes, wo wir wohl eine längere Pause einlegen müssen. 40 km weiter ist eine Schleuse schon länger kaputt, Schätzungen lauten bis Mittwoch – mais on ne sais jamais. Hier geht’s uns aber gut, die Versorgung mit Baguettes, Lidl und Waschsalon ( und Internet!) ist gesichert. Für die 50 Wohnmobile von gegenüber sind wir Teil des maritimen Ambientes.
25.07.2010
Wenn wir weiter so wenig Strecke pro Tag machen, werden wir noch viel Spaß in Frankreich haben. Heute 11 km, dann schönes Warteplätzchen, wo wir auf Sabine warten, Martin von Marysol verlässt uns heute. Sabine bringt das sehnsüchtig erwartete Ersatzteil mit!! Mit viel Schimpfen und Rückenverrenken kriegen wir aber alles hin und sind stolz und glücklich. Merkwürdig internationales Clientel unterwegs mittlerweile: Neuseeländer, Schweizer, Engländer, Amerikaner, Kanadier. Oft mit großen ehemaligen Lastschiffen mit 80 m² Wohnraum. Morgen dürfen wir weiter. Wir freuen uns schon.
