Wir sind wieder unterwegs! Allerdings beschleicht uns ein seltsames Gefühl, als schon nach 1,8 km bei der zweiten Schleuse des Tages wieder Schluss sein soll: Zu wenig Wasser im nächsten Abschnitt! Aber wir verweisen auf unseren Schwenkkiel und nur 1,2 m Tiefgang und damit läßt uns der Typ von der Kanalgesellschaft passieren. Und dann wirds noch richtig schön. Wir reduzieren unsere Methode des Festmachens in der Schleuse auf nur noch eine Leine an der Mittelklampe und haben die halbe Arbeit gespart. Nach 11 Schleusen und 20 km erreichen wir Corre.
Archiv nach Autor: georg
08.08.2010
Heute ist die Strecke ernsthaft wieder offen. Morgens verlassen zuerst die beiden 39 m-Binnenschiffe den Hafen und fädeln sich in die Schleuse ein. Bei 5,05 m Breite der Schiffe und einer Schleusenbreite von 5,10 m ist das schon ein sehenswerter Vorgang. Zusammen mit den Crews von Thetis II und Jolie Brise bewundern wir die Schleusung. Und dann reißen die Abschiede nicht ab: Anthony mit L’Etoile du Soir, Pat und Arlene von Merlot, die beiden Schwedensegler, dann auch Werner und Gisela und später Hajo, Michaela und Viviane … all gone. Dafür kommen meine Landgänger zurück aus Deutschland. Die Wartezeit ist zu Ende.
07.08.2010
Heute soll der große Tag des Ausbruchs sein (zumindest für die anderen). Es wird 09:00 Uhr, alle stehen standby, Leinen sozusagen in der Hand. Schleusenampel zeigt doppelrot, also noch gesperrt. 09:15: die Spannung steigt. 09:30: Leinen werden erstmal wieder belegt, Ampel rot. 10:00: erste Bemerkungen über das französische Organisationstalent werden laut. 10:30: Fatalismus macht sich breit, neuer Kaffee wird aufgesetzt, Ampel rot. 11:00: ein Auto der französischen Kanalverwaltung erscheint. Auskunft: man habe nicht genug Wasser, um die leergelaufenen Kanalabschnitte wieder zu füllen. Morgen früh sei es soweit. Bestimmt. Mittlerweile ist der Wasserstand bei uns so weit gefallen, dass die Binnenschiffe fest auf Schiet sitzen. Nun denn. Ich bin nicht böse, denn mir bleibt die liebgewonnene Gesellschaft noch erhalten. Nachmittags kommt zudem lieber Besuch: Michaela, Viviane und Hajo von der Jolie Brise sowie Gisela und Werner von der Thetis II rollen jeweils im Wohnmobil an! Wir improvisieren auf zwei Einweggrills einen Grillabend und es gibt viel zu erzählen.
06.08.2010
Aaahh: die Arbeiten an der Schleuse sind abgeschlossen! The gates are open, die Tore zum Mittelmeer stehen offen!! Ab 09:00 Uhr morgen früh werden zuerst die beiden kommerziellen Binnenschiffe, danach alle anderen sozusagen fluchtartig diesen gastlichen Ort verlassen. Alle? Nein, zwei tapfere kleine Boote werden ausharren – nicht weil sie dieses nette Dorf so liebgewonnen hätten, sondern weil die Crew bis Sonntagabend auf Landgang ist!! Es sind dies Rover und Marysol. Tja, das fällt schon schwer, aber ich kann dankbar sein – und bin es auch – dass Margrit sich weiter Zeit nehmen kann, um mich bis ins gelobte Meer zu begleiten. Zusätzlich soll ich morgen Besuch kriegen: sowohl Hajo und Michaela von Jolie Brise als auch Gisela und Werner von der Thetis II wollen vom Süden Deutschlands mal schnell rüberkommen – allerdings beide im Wohnmobil. Da warte ich doch gerne noch ein bisschen.
05.08.2010
Sechster Wartetag. Aber: an der Schleuse wird fleißig gearbeitet und die Prognosen ziehen sich langsam wieder von drei Monaten auf 11 Tage zurück. Unsere Gruppe hat sich nochmal verkleinert: die Schweizer Tacitus wurde gestern morgen von einem Kran aus dem Wasser genommen und wird nun per Trailer zum Zürcher See gebracht. Weitere diverse Bastelarbeiten am Schiff, sogar teilweise erfolgreich: LED als Ladekontrolle der Lichtmaschine geht ja gar nicht, da ist der Erregungsstrom zu klein – weiß doch jeder. ENDLICH die Ursache für das Wasser in der Motorbilge gefunden: Schwimmerschalter der Pumpe für das Stopfbuchswasser war in seiner freien Bewegung behindert, daraufhin floß das Wasser über in die Motorbilge… Heute bin ich per Überlandbus durch die schönen Vogesen nach Epinal in die große Stadt gefahren. U.a. hab ich einen USB-Stick zum mobilen Internetanschluß erworben. Man hat ja sonst nichts zu tun. Ist diese Technologie schon in Deutschland schwer durchschaubar, kommt hier erschwerend hinzu, dass die Franzosen JEDEN englisch angehauchten Begriff durch französische Wortschöpfungen ersetzen, die einen zur Verzweiflung treiben. Da verwandelt sich der einfachste Text in Serbokroatisch oder so. Weiter kommt hinzu, dass das französische Fachpersonal die englischen Begriffe nicht einmal kennt (teilweise) und auf meine Frage, was den die Einheit “Mo” sei, erntete ich nur bedauerndes Kopfschütteln (mittlerweise weiß ich’s: Mega-octet entsprechen unseren Mb…). So, jetzt hab ich also das Ding gekauft und installiert und kriegs nicht gestartet, weil die SIM-Karte “préactivé” werden muss und zwar von einem FESTNETZ-Telefon aus. Jetzt darf ich also morgen erstmal eine Tefonkarte dafür kaufen und die Spinnweben von der lokalen Telefonzelle entfernen. Wie gesagt: man hat ja sonst nichts zu tun.
