Der Sprung von Alderney nach Guernsey war wieder von heftigen Strömungen begleitet, die zu unruhigem Wasser und Wirbeln führten. Im Hafen von St. Peter Port angekommen, stand das Wasser noch einen Meter unterhalb der Schwelle, die das Leerlaufen des inneren Beckens verhindert. Nach 2 h Warten am Ponton durften wir rein. Der Tidenhub ist hier gerade 8,2 m!
Alderney
Unser Aufbruch von Cherbourg musste nicht nur nach Strom, Tide und Wind berechnet werden. Auch eine Regatta mit 40 bis 50 ultraschnellen Rennyachten wollte berücksichtigt werden. Dann griff der Strom nach uns und wir machten bei mässigem Wind bis zu 10,5 kn über Grund. Im Hafen der (britischen) Insel Alderney lagen Bojen zum Festmachen aus und ein per Funk zu rufendes Wassertaxi sorgte für die Anbindung an Land. Ein karges Eiland mit 18 Forts aus vergangenen Kriegen, vielen Buchten, Klippen und Felsen sowie einer eigenen Währung (Guernsey Pounds). Um Einreiseformalitäten kümmerte sich niemand.
Cherbourg
Frankreich im Taumel des Nationalfeiertages. Bands spielen, Würstchenbuden, Regattaboote über die Toppen geflaggt, Kinderhüpfburgen, tieffliegende Düsenjäger, am Abend ein Megafeuerwerk. Wir besichtigen das 1991 ausser Dienst gestellte Atom-U-Boot Le Redoutable. Die Führung erschüttert uns. Bestückt mit 16 Atomraketen a 2 x Hiroshima wird uns stolz der Wahnsinn der Abschreckungsstrategie erläutert. Der 100 MW (!) Antriebsreaktor wurde entfernt. In der Austellung nebenan wird uns der Untergang der (1912 von Cherbourg ausgelaufenen) Titanic minutiös nahegebracht. Danach sind wir total fertig und mischen uns unters Volk.
Von Fecamp nach Cherbourg
Je weiter wir kommen, umso stärker werden die Gezeitenströme. An der Einfahrt von Fecamp werden wir fast vorbeigespült (ähnlich Cuxhaven…). In der Stadt finden wir wenig Sehenswertes außer der Schnapsbrennerei (!). Die Strecke nach Cherbourg beträgt knapp 80 sm, also ist eine Nachtfahrt angesagt. Um den Strom nördlich Barfleur (bis zu 5 kn) nicht gegen uns zu haben, legen wir die Abfahrt auf 2130. Seltsames Gefühl, aufzubrechen, wenn andere sich bettfertig machen. Die Helden aber segeln in den Sonnenuntergang. Letzten Endes wird es eine ruhige, mondhelle Motorfahrt mit 3-stündigem Wachwechsel. Am Schluss sogar unter Segeln, wobei wir merkten, dass der obere Wirbel der Genua- Rollanlage sich verklemmt hatte. Bei der triumphalen Einfahrt in den riesigen Vorhafen von Cherbourg überraschte uns ein Begrüssungskomitee in Form einer Schule Delphine, die ums Boot herum spielen. Wir sind total gerührt. Cherbourg steht in den Startlöchern für die Feierlichkeiten zum 14. Juli und der Steg für Gästeboote ist voller Rennmaschinen für eine Regatta. Aber man weist uns ein schönes Plätzchen zu und glücklicherweise können wir das Problem an der Rollanlage beseitigten. Jetzt kann die Feier beginnen.
Le Treport
Der Hafen von Le Treport ist ein Hafen der Superlative: es ist der engste, am schlechtesten organisierte und gleichzeitig bisher der teuerste (38 €). Aber auch der mit dem atemberaubendsten Ausblick von der Abbruchkante. Ein Gratis-Schrägaufzug zieht uns hoch. Die Aussicht war es wert, um 21:30 die erhoffte Pizza zu verpassen, da dann die Restaurants schon die Bürgersteige hochgeklappt hatten. Das französische Chaos setzte sich am nächsten Morgen fort, sodass wir erst 2,5 h nach unsrem Plan die Schleuse nach draussen verlassen konnten.