Diese drei Orte liegen alle in dem durch die vorgelagerte Insel Kekova geschützten, schon fast lagunenartigen Bereich. Von Pölemos aus, wo wir freies Ankern dem wenig vertrauenerweckenden Restaurantsteg vorziehen, wandern wir durch glühenden roten Staub rüber in die alte Lykierstadt Aperlae, ca. 2500 Jahre alt, wo Sarkophaggräber wie gewürfelt bunt durcheinander stehen, teilweise im Wasser. Durch einen Bergeinschnitt düsenartig verstärkter Wind treibt uns tags darauf weiter nach Kaleköy, dem früheren Simena (auch uralt – wie die ganze Gegend hier). Auf den seit einem antiken Erdbeben versunkenen steinernen Überresten der alten Stadt liegen heute Restaurantstege mit Intensivwerbung am Steg („Bester Koch vom Mittelmeer“) und hochgelobt in allen einschlägigen Führern. Unsere hohen und freudigen Erwartungen werden allerdings bitter enttäuscht, als wir (wie schon in der bekannten Cold Water Bay) abgewiesen werden mit der Begründung, man erwarte große Charterschiffe. So fahren wir weiter in die innere Lagune, wo wir östlich von Ücagiz einen fabelhaften Ankerplatz finden. Während wir noch unseren Groll niederkämpfen, beobachten wir eine nicht abreißende Kette von auspufflos röhrenden Güllets und Ausflugsbooten, die zwischen Ücagiz, Kaleköy und den versunkenen Ruinen herumzirkulieren. Von der in unserer vielleicht leicht veralteten Literatur beschriebenen Fahrtenseglers Idylle sind nur noch Ansätze vorhanden. Man mag den gelegentlich schwach ausgeprägten Geschäftssinn der Griechen beklagen, die Türken merken schnell, wenn irgendwo Geld zu machen ist. Leider bleiben dabei oft nicht nur die Idylle, sondern auch jeglicher Umweltaspekt auf der Strecke. Hinter den Verkaufsständen findet man unfehlbar Müllberge, von Teppichen und Decken vor dem Auge des Touristen versteckt. Am nächsten Tag erobern wir Kaleköy per Dinghi durch die Hintertür und finden trotz allem immer noch viel Sehenswertes und schöne Ausblicke. In einem der genannten Restaurants sind vom Mittagsgeschäft mit den Güllettouristen und Chartergästen sogar noch Chicken mit Pommes und zwei Bier übrig.
Archiv der Kategorie: 2012
Kastellorizon
Wir bringen Sabine und Marco zum Taxi. Sie fliegen von Antalya nach Hause – Agila bleibt sicher vertäut in der Kas Marina. Nun sind wir wieder allein. Wir verlassen den Luxus der aufstrebenden Marina und nehmen Kurs auf Kastellorizon. Es ist dies ein politisches Kuriosum, eine griechische Insel weitab vom Mutterland, direkt vor der türkischen Küste. Wir umrunden die Insel und werden von der offenbar hier typischen Dünung bei Schwachwind ganz schön durchgeschaukelt. Die Insel ist ein karger Felsbrocken und nur an einer Stelle hat sich oasenartig eine kleine Ortschaft gebildet. Wir ankern in einer nahen Bucht und laufen nach dem obligatorischen Schwimmen rüber in die „Stadt“. Viele bunt bemalte Häuser erzeugen ein sympatisches Bild, dazwischen liegen aber zahlreiche verfallene Ruinen, die von besseren Tagen Kunde tun. Jedenfalls scheint es mehr Katzen als Einwohner zu geben. Wir fühlen uns aber sehr wohl und suchen uns schon mal ein Restaurant für morgen aus.
Kas (2)
Mit echtem Bedauern und Bestürzung nehmen wir zur Kenntnis, dass das schlechte Wetter in Norddeutschland alle Rekorde bricht. Nur zu gern würden wir ein paar Grad und einige UV-Strahlen abgeben. Hier in Kas muss jeder Aufenthalt außerhalb vom Schatten sorgfältig geplant werden: Schutzkleidung, Minimierung der Aufenthaltsdauer, Minimierung der Kalorienabgabe usw. Als wir vor fünf Tagen in die nagelneue Kas Marina einliefen – sonnenverbrannt, schweißverklebt und salzverkrustet – erschienen uns die vollklimatisierten Sanitärräume und der große Swimmingpool wie eine irreale Fatamorgana. Nur so kann ich rechtfertigen, dass wir immer noch hier sind… Eigentlich läge eine solche Luxus-Marina außerhalb unseres Budgets, aber sie haben erst 2011 eröffnet und locken noch mit Billigangeboten, um bekannt zu werden. Marco und Sabine von der Agila bereiten sich auf den Rückflug vor, Agila bleibt vorläufig hier liegen. Wir kaufen Stoff für ein UV-Cover, das die Lebensdauer unseres neuen Dinghis verlängern soll, und holen die alte Privileg-Nähmaschine aus der Backskiste. Die UV-Strahlung zerfrisst alles, besonders PVC, mit alarmierender Geschwindigkeit. Verschwindet die Sonne abends hinter dem Berg, lässt der Druck nach und wir laufen in die Stadt, um uns durch die diversen Restaurants zu futtern. Internetanbindung ist hier gegeben, allerdings hatten wir wiederholt den Eindruck, dass SMS nicht übermittelt werden und auch das Senden von Emails mit Outlook klappt nicht. Mit Sorge beobachten wir die Krise zwischen Syrien und der Türkei, die teilweise die Fußball-EM von den Titelseiten verdrängt. Auch der europäische Währungsschlamassel irritiert – verstehen tun wir das schon lange nicht mehr.
Gerade war der Gasmann da und wir haben Möglichkeiten erörtert, entweder unsere leere deutsche Gasflasche oder die fast leere griechische Flasche zu füllen oder umzutauschen oder eine türkische unserer internationalen Sammlung hinzuzufügen. Problem wurde vertagt. Morgen wollen wir weiter in die griechische Exklave Kastellorizon – ein kleiner Ausflug nach Europa. Vielleicht können wir dort die griechische Flasche einfach tauschen.
Kas
Seagull Bay
Von unserem schönen Ankerplatz in Fethiye aus queren wir noch einmal den Golf (richtig segeln!) und kommen in die Wall Bay, wo wir bei heftigen Böen und Rückenwind an einem Restaurantsteg festmachen. Obwohl die Anlage extrem einfach gehalten ist, gibt es ganz passables Essen, dessen Preis allerdings den „kostenlosen“ Liegeplatz beeinhaltet. Spektakuläre Felsen ringsum mit Pinien dicht bewachsen. Das Wasser (wie immer) glasklar und annehmbar warm. Heute dann bei immer noch starkem Wind um die Ecke in die nächste Bucht und … der Wind ist fast weg. Diese Erfahrung machen wir immer wieder, dass man in dieser Gegend mit den tausend Buchten, Kaps und Teils hohen Bergen weder Richtung noch Stärke vorhersagen kann. Der Wetterbericht ist fast jeden Tag gleich, beschreibt jedoch die Verhältnisse draußen auf freier Fläche. In der Seagull Bay haben wir das Glück, eine freie Mooringboje zu erwischen. Nach einem schwimmenden Bäcker kommt ein schwimmender Eisverkäufer und schließlich ein schwimmender Supermarkt vorbei, sodass wir bestens versorgt sind.