Rover on tour

Logbuch


26.08.2010

Drei Dinge braucht man hier: Schatten, Schatten und noch mehr Schatten. Eventuell noch ein kühles Bier oder/und Schokoladeneis. Die Sonne verbrutzelt alles, was sich nicht in Sicherheit bringt. Umso angenehmer ist es, auf dem Boot im Schatten unseres großen Sonnensegels zu sitzen, den Luftzug zu genießen und anderen Booten bei missglückten Manövern zuzuschauen. Leider muss ich heute hoch in den Mast, da bei dem gestern angesprochenen Entwirren ein Wantendreher sich eingeschlichen hat. Ich muss unter der oberen Saling das Steuerbord-Mittelwant lösen, um das Oberwant herumführen und wieder anbolzen. Klappt aber soweit ganz gut. Die ganze Takelage wird getrimmt und weiter entflochten. Anschließend werden die im Kanal arg strapazierten Fender gereinigt und verstaut sowie das ganze Deck gründlich geschrubbt. Langsam schält sich wieder ein Segelboot heraus. Heute war es sehr windig, vielleicht können wir morgen die Segel anschlagen. Die Wettervorhersage für die kommenden Tage kündigt soviel Wind (Mistral) an, dass wir vermutlich den Komfort dieses Hafens noch länger genießen dürfen.


25.08.2010, Port Napoleon

Webseite unseres Hafens: http://www.port-napoleon.com/de/index.html

Achtung: Webcam! Morgen um 19:00 Uhr Webcamzeit (!) werden wir euch zuwinken!!

… hat uns jemand gesehen??

Die Metamorphose von Rover vom Flussdampfer zur Segelmaschine ist in vollem Gange. Der Mast wird entwirrt und vom Boot gehoben. Dabei bricht eine Maststufe ab, wird aber umgehend und kompetent repariert. Dann hebt der Riesenkran den Mast in die Vertikale und schon beim siebten Versuch kriegen wir jenen verflixten Bolzen eingefädelt, der jedesmal Probleme macht. Die Leute verstehen ihr Handwerk, alles geht flüssig. Und das trotz einer grellen unbarmherzigen Sonnenstrahlung, die außer Gedanken an Schatten und kalte Getränke kaum Initiative zulässt. Übergangsweise mutiert das Boot wieder mal zur Werkstatt, aber das kennen wir schon. Seitdem wir hier sind, haben sich unsere Umgebungsbedingungen krass geändert. Angefangen mit dem Wetter und der Abkehr vom Flussdampfer treffen wir hier auf einen ganz anderen Typ von Segler. Abenteuerliche Boote mit bunten Besatzungen mancherlei Nationalität mischen sich mit gigantischen Motoryachten und langweiligen Plastik-Charterbooten. Diesen Hafen – so spüren wir schnell – verlässt man nicht so schnell wieder.


Port St. Louis

Es ist vollbracht: seit heute nachmittag sind wir im Mittelmeer! Nach 60 Tagen, 1700 km, 255 Schleusen, 248 Motorstunden und vielen Abenteuern sind wir in den Port Napoleon bei Port Saint Louis eingelaufen. Ein paar Kratzer hat das Boot davongetragen, unsere ursprüngliche Planung war der Realität nicht gewachsen – aber alles in allem haben wir diesen Teil der Reise mit Hurra bestanden. Wir durften das unerwartet reizvolle Leben der Flusswanderer kennenlernen (und es gibt noch so viele unbekannte Kanäle in Frankreich …). Avignon war wunderbar, wir lagen mitten im Geschehen. Arles gab sich zunächst sehr spröde, da keine Halteplätze für Bootstouristen vorgesehen sind, aber letztlich war der Ort so richtig mediterran. Diese Städte erwachen erst abends – dann aber mit Beleuchtung! Das letzte Stück Rhone durch die Camargue war ereignislos (weder weiße Pferde noch Flamingos waren im Angebot). Da die eigentliche Mündung der Rhone ins Mittelmeer total versandet ist, mussten wir durch eine letzte Schleuse in einen Seitenkanal. Telefonisch kriegten wir für Mittwoch einen Termin zum Maststellen. Der Hafen hier ist gigantisch, aber komfortabel – und Bekannte von unterwegs haben wir auch schon getroffen. So, und jetzt wird erstmal geduscht, bis die Schwarte knackt.


Viviers

Zurzeit kommen wir richtig schnell vorwärts: heute abend Avignon erreicht. Das Tor zum wirklichen Süden. Gestern hatten wir zum ersten Mal über Nacht geankert in einem Nebenarm der Rhone vor Viviers. Total süßes Städtchen. Shuttleverkehr mit unserem kleinen Zweit-Schlauchboot und dem kleinen Yamaha-Knattermann. Nachts dann gewaltiges Gewitter zum Fürchten. Der Strom der Rhone ist enorm: mit 3,5 kn zusätzlich werden wir geschoben! Nicht zum Fürchten dagegen sind die Rhoneschleusen mit bis zu 23 m Hub, bzw. Fallhöhe. An einem Schwimmpoller gehts es gesittet wie im Fahrstuhl abwärts. An einem dieser Poller, an dem wir festmachen, finden wir einen alten Aufkleber vom Wassersportverein Varel!! Muss wohl von Schukki sein, der hier vor ein paar Jahren durch ist! Avignon ist intramuros (innerhalb der alten Stadtmauern) gestopft voll mit Touristen,  aber alles sehr sauber und mit viel Schatten, den wir dringend brauchen: die Sonne knallt gewaltig. Heute wollen wir mal den Palast der ollen Päpste inspizieren und abends gepflegt essen gehen. Rover liegt längsseits an einem holländischen Plattbodenschiff in 2 kn Strom und zerrt gewaltig an den Leinen.


Valence

Sind in Valence. Tout va bien. Noch 222 km. Liegen wieder mal in extrem internationaler Gesellschaft. Die Sprachen vermischen sich.