Wetterbedingt bleiben wir 3 Nächte in Boulogne s/m. U.a. Besuch des großen Aquariums. Dann bei vorgeblich moderaten Winden und in Absprache mit dem ostsetzenden Strom im 1430 ausgelaufen. Zunächst recht schnell mit bis zu 7 kn SOG bis Cap Gris Nez. Am Cap dreht der Wind auf gegenan und weht jetzt gehen den Strom. Dadurch konfus eklige See, wieder einmal Segeln zum abgewöhnen. In Calais entscheiden wir uns gegen eine unruhige Nacht an der Warteboje vor der Schleuse/Brücke und gehen in die Marina. Sehr viel ruhiger. Da das Office schon zu hat, können wir das Gelände nicht verlassen und ziehen uns einen schönen Film bei Chips und Rotwein rein.
Mit der Brückenöffnung um 0542 und der Freigabe durch Calais Port Control geht’s wieder raus. Mit dem Strom und hoch am Wind sind wir flott unterwegs. Ruppige See, später Maschineneinsatz. An Dunkerque vorbei nach Nieuwpoort. Schöne gepflegte Marina. Marsch in die Stadt mit Bierpause und Einkaufen.
Eine angekündigte Schlechtwetterphase lässt uns früh aufbrechen, um weiter nach Vlissingen zu kommen. Kräftiger halber Wind, schnell mit Strom, wieder ruppige Welle. Hässliche Häuserblocks kilometerlang am Ufer. An Oostende vorbei. Ab Zeebrugge Gegenstrom und wir werden bei abnehmendem Wind zunehmend langsamer. Großschifffahrt Richtung Antwerpen. In Ufernähe ist der Strom etwas schwächer. Telefonische Anmeldung in der Marina. Spektakuläre Schleusengasse. Bei bestem Sommerwetter sitzen wir oben an der Schleuse im Café und finden es gut. Beeindruckende Lotsenboote. Vlissingen gefällt uns. Nachts Wetterumschwung, heftiger Wind und Regen. Wir bleiben und wollen über die Binnenkanäle weiter.
Zurück auf den Kontinent
Um dem massiven Verkehr zwischen Dover und Calais zu entgehen, beschließen wir, von Eastbourne nach Boulogne sur Mer zu segeln. Das klappt auch zunächst ganz gut, als wir küstenparallel bis Dungeness gehen, um dann das Verkehrstrennungsgebiet im rechten Winkel zu kreuzen. Je weiter wir in den Ärmelkanal vorstoßen, desto mehr nehmen Wind und Welle zu, bis wir stark gerefft mit einem Seitenwind von 18 bis 21 kn kämpfen. Das Wellenbild ist total konfus und Rover wird recht hin und her geworfen. We are not amused. Aber wir erreichen nach 50sm den geschützten Hafen von Boulogne sur Mer. Der Hafen stinkt nach Fisch und man weist uns einen blöden Platz ohne Steg zwischen zwei Booten zu. Uns ist aber in diesem Moment alles egal, Hauptsache endlich Ruhe im Schiff. Das englische Frühstück am nächsten Morgen schmeckt aber schon wieder.
Eastbourne
Ausgesprochen schöne Segeletappe entlang der weißen Steilküste … sogar stundenlang ohne Motor. Die Sovereign -Marina erweist sich als sehr gepflegt mit großen Boxen und breiten Stegen. Doppel Schleuse. In Gegensatz zu Brighton hier viele ausländische Gäste.
Brighton
Nach vier Nächten in Chichester hat sich das Wetter beruhigt und wir wollen weiter. Wir nehmen 150 Liter roten Diesel auf und können dank erfolgreicher Reparatur endlich unseren Abwassertank abpumpen. Nach der Schleuse liegen noch 5 Meilen Kanal vor uns, bis uns das freie Meer wieder hat. Maschine muss laufen, da Schwachwind und zunehmend Gegenstrom. Die 41 sm ziehen sich (12 h). Bei der Einfahrt in die Marina Brighton kommt plötzlich Wind auf und wir müssen zaubern. Wegen Baggerarbeiten ist hier alles auf den Kopf gestellt. Marina eher mäßiger Standard, obwohl 60€/Nacht. Die direkte Umgebung des Hafens wird von einer konstruierten Stadt bestimmt, die tot wirkt. Wir laufen zur Brighton Pier. Spielhölle und Touristennepp, aber imposant. Fish and chips. Anschließend per Uber zum I360°-Turm. Überwältigendes Erlebnis, mit dem Glaspod in 140m Höhe zu fahren. Zurück per Volks-railway von 1883.
Yarmouth to Chichester
Wir müssen Yarmouth verlassen, da man Plätze braucht für die nächste Regatta. Wir versuchen, an der Abpumpstation unseren Abwassertank abzusaugen, sind aber erfolglos. Gründe unklar. Die Fahrt durch den Solent beginnt harmlos genug mit günstigen Winden und mitlaufendem Strom. Nach 3 Stunden ist der Strom erschöpft und kippt, der Wind dreht zunehmend auf Gegenwind und nimmt zu. Eine Zeitlang schaffen wir es, mit Maschine und einem Handtuch von Vorsegel hoch an Wind einigermaßen den Kurs zu halten. Als unsere Fahrt über Grund auf deutlich unter Fußgängertempo zurückgeht, kreuzen wir und versuchen, den Containerschiffen nach Southampton auszuweichen. Das Ganze selbstredend fast durchgehend bei Regen. Sehr grobe See und 18 bis 22 kn Wind. So macht die Sache keinen Spaß mehr. Aber wir erreichen schließlich die Mündung des Flusses, der nach Chichester hineinführt und folgen ihm noch eine weitere Stunde (natürlich wieder gegen den Strom). Tausende von Booten liegen links und rechts an ihren Bojen. Bei Niedrigwasser (noch 60cm unter den Kiel) lässt man und in die Schleuse und weist uns einen Box zu. Der Hafen hat 1000 Liegeplätze und gehört eher dem gehobenen Standard an. Wir sind unendlich froh und dankbar, endlich Ruhe zu haben. Die Windvorhersage für die kommenden Tage lässt uns 3 Nächte buchen.